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Eine Arbeitsstunde

Film . ca. 64 min . 2002 - 2017

“Arbeit ist das, was wir sind, weil es das ist, was wir tun - nicht wir geben der Arbeit Sinn, die Arbeit definiert uns” . Georg Diez

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“Eine Arbeitsstunde” wurde gezeigt:

Göppingen . 2002 / “projekt arbeit”
Galerie Werner Schleith, Göppingen . 2008 / “8 Filme”
Haus der Gewerkschaften, Ulm . 2011 /Cut” Filmische Skizzen zur Lage der Arbeit
Kunstverein Wilhelmshöhe, Karlsruhe-Ettlingen . 2013 / Dialog(E)

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Eine Arbeitsstunde

Ich wollte produzieren, ohne etwas herzustellen. Das Produkt löst sich während des Arbeitsprozesses kontinuierlich auf, es wurde keinerlei Wertschöpfung erzielt. Die Tätigkeit wird reduziert auf einen sich endlos wiederholenden Vorgang, wird zur nichts erzeugenden Zeitverschwendung. Die Maximalausnutzung der Arbeitskraft war obligatorisch. 
Davon ausgehend, dass ein ordentlicher europäischer Arbeitnehmer in seinem Leben 85000 Arbeitsstunden leistet, wollte ich eine fiktive Arbeitsstunde imitieren, die exemplarisch für eine bestimmte Arbeitsform steht und die allen, auf wenige Handgriffe reduzierten, Erwerbsarbeiten zugrunde liegt. Das Ziel war, den üblichen Akkordbedingungen entsprechend, die mir selbst auferlegten Leistungsvorgaben zu erfüllen. Die Arbeitsstunde war also ohne Unterbrechung zu vollziehen.

Innerhalb einer Minute sind ca. 30 Handlungsabläufe zu verzeichnen, in sechzig Minuten sind ca. 1800 Bewegungen durchzuführen. Bei einem durchschnittlich achtstündigen Arbeitstag wären dies 14400 Handlungen, die mit erhöhter Konzentration, Übung, Motivation, unter Androhung von Zwangsmaßnahmen, Strafe, oder mit “Kontinuierlich verbesserten Prozessen” (KVP), in Absicht einer permanenten Effizienzsteigerung, somit zu einer potentiellen Gewinnmaximierung führen könnten. Körperlich war es äußerst strapaziös, wurde zur Tortur.

In manchen Momenten dachte ich an Aufgabe, immer im Bewusstsein, dass solche Disziplinlosigkeiten in der Realität zu einer einseitigen Kündigung des Arbeitsverhältnisses hätten führen können.

Ich vollzog die Arbeitsstunde am 09.08.2002. Machen Sie nach!

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Eine Arbeitsstunde / Finanzierung

Der Verkaufspreis des Filmes bemisst sich am Wert einer durchschnittlich erbrachten und geleisteten Arbeitsstunde in Deutschland. Grundlage ist der vom Statistischen Bundesamt errechnete Durchschnittslohn (Brutto) für Männer des Jahres 2012.

Ich passe den Verkaufspreis des Filmes "Eine Arbeitsstunde" untenstehender Berechnungsgrundlage* an.

Der errechnete Verkaufspreis für den Film "Eine Arbeitsstunde" beträgt 52,58 Euro und spiegelt damit den Wert einer real in Deutschland geleisteten Arbeitsstunde wieder. Für Geringverdiener, Arbeitslose, Hartz IV-Bezieher, Rentner, Studenten, Schüler und Kunstschaffende wird der Betrag auf 12,00 Euro reduziert.

Ich will an meiner "Arbeitsstunde" nichts verdienen, da ich das große Glück hatte, in Westeuropa geboren zu sein und mir immer sehr gute Chancen geboten wurden, mich in jeglicher Form frei entfalten zu können. Ich war frei in meiner Berufswahl, in meiner Lebensplanung, ich kann mein Wort frei bestimmen und lebe in einem Land, wo ich jene, die mich regieren, frei wählen kann. Ich kann kritisieren und meine Meinung äußern, ohne dafür reglementiert, schikaniert, verfolgt, eingesperrt oder gefoltert zu werden! Ich erlebte keinen Krieg, keine Diktatur. Mein Kühlschrank war bis jetzt immer voll. Wenn ich arbeitslos oder krank werde, trägt mich die Gemeinschaft.

Für dieses “Glück”, wird der Verkaufserlös des Filmes "Eine Arbeitsstunde", an “amnesty international” weitergereicht.

Sie als Westeuropäer, ordentlich verdienend und lebend, können diesen Film natürlich käuflich erwerben und über Ihren persönlichen Beitrag, die Arbeitsleistung vieler schlecht-, unter- oder kläglich bezahlter Menschen unterstützen. Ich freue ich mich über Ihr Interesse und Ihren Beitrag, bitte bestellen Sie unter: abressmer@t-online.de

Ich widme meine geleistete "Arbeitsstunde" der Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation der weltweit Werktätigen.

Ich bedanke mich für Ihre geleistete Arbeit, Ihre damit verbundenen finanziellen Möglichkeiten und für Ihre Unterstützung von einigen von Millionen Menschen, deren Einkommen unter 1,25 Dollar pro Tag liegt.

(Die absolute Armutsgrenze ist bestimmt als Einkommen- oder Ausgabenniveau, unter dem sich die Menschen eine erforderliche Ernährung und lebenswichtige Bedarfsartikel des täglichen Lebens nicht mehr leisten können. Die Weltbank sieht Menschen, die weniger 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, als “arm” an. Betteln und Hunger (-tod) gehen somit unmittelbar mit dem Begriff der absoluten Armut einher. Q: Wikipedia)

Berechnungsgrundlage: 19,60 €* (siehe unten)

     2,00 €

   Fertigungsmaterial DVD incl. Hülle (aufgerundet)

+   0,20 €

+ Materialgemeinkosten (z.B. 10%)

=   2,20 €

= Materialkosten

 

 

    19,60 €

   Lohnkosten / “Eine Arbeitsstunde” (*siehe unten)

+  11,76 €

+ Zuschlagssatz Lohnnebenkosten x 1,6

=  31,36 €

= Lohnkosten

 

 

    2,20 €

   Materialkosten

+  31,36 €

+ Lohnkosten

=  33,56 €

= Herstellungskosten

 

 

    33,56 €

   Herstellungskosten

+  3,36 €

+ Verwaltungsgemeinkosten (10%)

+  7,72 €

+ Vertriebsgemeinkosten (20%)

=  44,64 €

= kalkulatorische Selbstkosten

 

 

    44,64 €

   Kalkulatorische Selbstkosten

+  4,46 €

+ Gewinn (10%)

=  49,10 €

= Barverkaufspreis

+  0,98 €

+ Skonto (2%)

=  50,08 €

= Zielverkaufspreis

+  2,50 €

+ Rabatt (5%)

52,58 €

= Listenverkaufspreis

Auch im Jahr 2012 erhielten Frauen mit 15,21 Euro einen durchschnittlichen Stundenlohn (brutto), der um 22 % unter dem der Männer lag. Diese verdienten durchschnittlich 19,60 €* pro Stunde. Quelle: Statistisches Bundesamt 2013, Destatis, 19. März 2013

Ich danke Markus Simon für die Kalkulation.

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Fazit zu: “Eine Arbeitsstunde” . Stand: Dezember 2014

Ich stelle fest, dass “Eine Arbeitsstunde” auch nach zwölf Jahren in ihrer Aktualität nichts verloren hat. Im Gegenteil, die Arbeitsbedingungen wurden in den letzten zehn Jahren nicht verbessert, es wurden von verschiedensten Parteien lediglich scheinbare Korrekturen am System vorgenommen. Die tatsächliche Arbeitsleistung wurde kaum honoriert. Deutschland verzeichnet seit dem Jahr 2000 die schwächste Reallohnentwicklung in der EU, obwohl der Export von Jahr zu Jahr steigt. Einige Menschen besitzen sehr viel Geld, viele dagegen sehr weniges. Einige wenige besitzen ca. 90 % des Geldvermögens, 90 % der Bevölkerung besitzen nur ca. 10 % des erwirtschaftenden und das für sie zur Verfügung stehen-den Vermögens. (Quelle: “Vermögensverteilung in Deutschland” . Wikipedia)

Trotz des dauerhaften wirtschaftlichen Aufschwungs sinkt die Kaufkraft. Viele Arbeitnehmer, bestens ausgebildet, ebenso Kunst- und Kulturschaffende, leben unter dem Existenzminimum, gelten als arm oder bedürftig. Immer mehr Menschen arbeiten vierzig Stunden pro Woche und sind nicht mehr in der Lage, sich selbst und ihre Familien zu ernähren. Bestraft wird, wer nicht mithalten kann oder nicht mehr mithalten will. Da im vergangenen Jahrzehnt immer mehr Arbeit der Ratio-nalisierung, Flexibilisierung, dem “Outsourcing”, der Globalisierung und der Digitalisierung zum Opfer fiel, entstanden ver-mehrt prekäre Arbeitssituationen. Einst feste Arbeitsverhältnisse werden zusehends in Zeitarbeit, Werkverträge oder Praktika zu Niedrigstlöhnen umgewandelt. Diese Entwicklung dauert an.

Dadurch laufen die Anstrengungen der Gewerkschaften, politischen Organisationen oder auch Bürgern, allgemein verbind- liche Löhne und Standards zu erhalten, die über Jahrzehnte zur sozialen und kulturellen Sicherung beitrugen, zusehends ins Leere. Die Anforderungen an die Arbeitsleistung des Einzelnen werden noch mehr steigen, die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung sinkt. 

Das Geldvermögen hingegen zieht seine millisekundenschnellen, nicht mehr nachvollziehbaren Wege um den finanziellen Planeten. Mit Handel und Investitionsgeschäften, auf Kosten der Werktätigen weltweit, wird mittlerweile mehr Geld verdient als mit realer Arbeit. Die “Bankenkrise” hat daran nichts geändert. Das BIP, der DAX, die Arbeitslosenquote, CETA und TIPP sind die Kennzahlen unserer Zeit und Regierungen. Für den Zugewinn produzieren wir jedes Jahr Millionen Tonnen von Gütern, die im Nachhinein meist absolut nutzlos, wenn nicht gar schädlich sind, nie mehr reparables, ökologisches Leben kosten und die nach kürzester Zeit zu Müll verkommen. Dies geschieht alles unter dem Motto der permanenten Ge-winnmaximierung, die rücksichtslos die Ressourcen der zukünftigen Generationen verbrennt. Die internationale Gemein-schaft, die Gesellschaft, die Politik, wir Individuen scheinen den Überblick und die Kontrolle über diese Entwicklungen längst schon verloren zu haben.

Wie viel “Wirtschaftswachstum” ist tatsächlich notwendig? Was sollte das Ergebnis von ARBEIT sein?

“Unser System hält jede Menge Werber, Vermarkter und Investoren bereit, um uns dazu zu bringen, von dem Geld das wir nicht haben, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, um bei Leuten, die uns eigentlich egal sind, Eindruck zu hinterlassen, der nicht anhält.” (Tim Jackson . Ökonom) 

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Fotografie: Margarete Reich

Fazit II zu: “Eine Arbeitsstunde” . Stand: Januar 2016

Nichts hat sich verändert. Der Mindestlohn (01) wurde nach langen Debatten im Jahre 2015 eingeführt. Viele Menschen arbeiten seit dem 1. Januar diesen Jahres nun für 8,50 € (02) die Stunde, das klingt nach Luxus, das heißt jedoch, der erwirtschaftete Lohn beträgt bei einem durchschnittlichen 160 Stunden Monat, 1360 €, brutto pro Monat, per Jahr sind dies 16320 €. Es bleiben also 1.181, 54 € netto pro Monat (03). Das errechnete Rentenniveau wird bei ca. 45 Beschäftigungs-jahren pro Monat bei 561,25 Euro, abzüglich der Steuern und Versicherungen liegen. Ausfallzeiten durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit sind in dieser Rechnung nicht berücksichtigt!

Als "Armutsgrenze" (04) gilt in Deutschland in 2015 der Betrag von 979 € pro Monat. Heute leben in Deutschland rund 16 Prozent der Bevölkerung, das sind 13 Millionen Menschen, an der Grenze zur Armut. (05) Die Differenz zur "Armutsgrenze" wird vom "Steuerzahler" aufgefangen werden müssen. "Die Armutsgrenze" (06) bezeichnet ein Einkommen, unterhalb des-sen der Erwerb aller lebensnotwendigen Ressourcen nicht mehr möglich ist, also Armut vorliegt." Eine Studie der OECD zur Rentenentwicklung verheißt nichts Gutes! (07) "Schon heute kommen auf jeden Rentner nur noch 2,9 Beitragszahler. Im Jahre 2050 werden nur noch 1,5 Beitragszahler auf einen Rentner kommen. Schon heute fließen laut der Studie 25 Prozent der hiesigen, und ohnehin überdurchschnittlichen Sozialausgaben an ältere Menschen. Die finanzielle Belastung durch die Bevölkerungsalterung in Deutschland wird sich laut OECD durch ein weiteres Sinken der Geburtenrate auf 1,36 Kinder pro Frau weiter verschärfen."

Bei diesen Zahlen stellt sich die Frage nach dem "Lohn der Arbeit". In unserem Land wird wissentlich und vorsätzlich millionenfache Altersarmut produziert, ohne die Folgen abzuwägen. "Spiegel-online" schreibt im März diesen Jahres: "In Deutschland steigt die Zahl der Senioren mit Minijobs kontinuierlich: Im März waren es knapp 904.000 Menschen". Weiter schreibt der "Spiegel": "Der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen dürfte nicht zum Spaß und Zeitvertreib weiter arbeiten, sondern aus finanzieller Not". (08)

Kürzlich, an einem Samstag, beobachtete ich aus meinem Auto heraus, ein älteres Ehepaar, das in den Abfalleimern einer Supermarkt-Filiale nach Flaschen suchte. Sie sahen immer wieder um sich, um nicht entdeckt zu werden, um nicht aufzufallen. Sie führte Regie, er sprach nichts. Er hatte seinen Stolz schon längst verloren. Sie im Kostüm und Nagellack tragend, er sauber rasiert, resigniert, beide nicht auffallend, aber sauber aufgeputzt. Sie trugen die Beutel verschämt weg, die Ausbeute, ein paar PET-Flaschen, die sie zum Pfand einlösten. Ich vermute, beide haben dreißig, oder mehr Arbeits-jahre hinter sich. Ich hätte gerne mit ihnen geredet, zu schnell waren sie verschwunden. Ich stelle mir ihr Arbeitsleben vor, er, vielleicht einst ein stolzer Handwerksmeister, mit zehn Beschäftigten, den die Digitalisierung überrollt hat. Sie: “Ange-stellte” vielleicht, Sekretärin eines Unternehmers, mit dem sie gemeinsam in Konkurs ging. Was bleibt ihnen übrig?

Am 18.01.2016 schreibt "Spiegel-online": "62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt":

"Die soziale Ungleichheit nimmt weltweit immer schneller zu. Wie dramatisch das ist, zeigt eine Zahl der Organisation "Oxfam": Die 62 reichsten Menschen besitzen so viel, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung und der Trend hält an.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in nahezu jedem Land der Welt immer größer. Die Geschwindigkeit, mit der das geschieht, überrascht aber auch Experten. Vor einem Jahr sagte die Nichtregierungsorganisation "Oxfam" voraus, im Jahr 2016 werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung, also rund 70 Millionen Menschen, mehr besitzen als die restlichen 99 Prozent (rund sieben Milliarden Menschen) zusammen. Tatsächlich wurde diese Schwelle schon ein Jahr früher erreicht. (09)

Am 26.11.2015 schreibt "Zeit-online" zur Einkommensverteilung: "Soziale Kluft in Deutschland wächst!":

"Reich bleibt reich, arm bleibt arm: Eine Studie zur Einkommensverteilung sieht wachsende Abstände. Ein besonderes Risiko trägt die Mittelschicht.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit der Finanzkrise im Aufschwung: Die Nutznießer finden sich vor allem an der Spitze der Gesellschaft. Der Aufschwung kommt nicht bei allen an. Demnach vergrößern sich die Einkommensunter-schiede und die finanziellen Risiken für die Mittelschicht wachsen. Für den Mittelstand haben sich die Aufstiegschancen verringert, die Abstiegsrisiken haben zugenommen. Eine Ursache für diese Entwicklung ist die wachsende Bedeutung der Kapitaleinkünfte im Verhältnis zu den Löhnen. Insgesamt gelten gut 14 Prozent der Menschen in Deutschland als arm mit weniger als 60 Prozent des mittleren gesellschaftlichen Einkommens." (10) 

Wir sprechen hier also von 11 Millionen Bürgern, nur in Deutschland! Wie lange hält diese Gesellschaft noch durch, still und erträgt ihre Situation so stoisch wie bisher? Dies ist perfekter Nährboden für rechte Parteien und Tendenzen! Die "Suppenküchen" erleben einen ungeahnten Aufschwung!

"Eine Suppenküche oder Volksküche ist eine öffentliche Essensausgabe für Bedürftige, gratis oder gegen geringes Entgelt. Es gibt dort vor allem Suppe oder Eintopf, daher der Name Suppenküche." (11)

Am 25.01.2016 berichtet "Zeit-online": "Vermögen in Deutschland sind immer ungleicher verteilt"
 
"In Deutschland wächst die Kluft zwischen arm und reich. Laut einem Medienbericht verfügen zehn Prozent der Haushalte über mehr als die Hälfte des Vermögens im Land.

Die Vermögen in Deutschland sind zunehmend ungleich verteilt. Nach Informationen der "Passauer Neuen Presse" ver-fügten die oberen zehn Prozent der Haushalte im Jahr 2013 über 51,9 Prozent des Nettovermögens. Im Jahr 1998 waren es noch 45,1 Prozent gewesen. Die Zeitung beruft sich auf vom Bundessozialministerium vorgelegte Zahlen zur Ver-mögensverteilung. Die Daten sollen in den neuen Armuts- und Reichtumsbericht eingehen, der voraussichtlich in diesem Jahr veröffentlicht wird." (12)

Ich wiederhole meine Frage aus 2014: Was sollte das Ergebnis von ARBEIT sein? Kann man von Arbeit noch leben?

Welche Tendenz wollen wir uns erhalten? Erwerbsarbeit zumindest, scheint sich längerfristig nicht mehr zu lohnen!

Ich stelle diese Frage, an die Wirtschaft, an die Politik, an die Gesellschaft, an die Gewerkschaften und an die Kirchen.

 

Quellen:

(01)  bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Mindestlohn/inhalt
(02)  de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohn
(03)  brutto-netto-rechner.info
(04)  zdf.de/wiso/altersarmut-rente-heute-und-kuenftig-40544056
(05)  cecu.de/armutsgrenze
(06)  de.wikipedia.org/wiki/Armutsgrenze
(07)  zeit.de/wirtschaft/2013-11/oecd-rentenbericht-geringverdiener-altersarmut
(08)  spiegel.de/wirtschaft/soziales/minijobs-in-deutschland-zahl-der-ue65-jaehrigen-mit-minijob-steigt-a-1058421
(09)  spiegel.de/wirtschaft/soziales/oxfam-62-superreiche-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-welt-a-1072453
(10)  zeit.de/wirtschaft/2015-11/einkommen-deutschland-arm-reich-mittelschicht
(11)  de.wikipedia.org/wiki/Suppenk%C3%BCche
(12)  zeit.de/politik/deutschland/2016-01/ungleichheit-vermoegen-reichtum-armut

Ich danke Markus Simon, für die Nachberechnung meiner Berechnung.

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Am 22.01.2016 beschreibt "Patrick Spät" auf "Zeit-online" fünf bemerkenswerte Thesen zur Arbeit: "Die Massen-arbeitslosigkeit kehrt zurück". “Fünf Thesen zur Zukunft der Arbeit", ich zitiere ihn komplett:

1. Mehr Selbstständige: "In Deutschland arbeiten rund elf Prozent der Erwerbstätigen als Selbstständige. In den USA sind es 34 Prozent und in Griechenland 36 Prozent. Schaut man genauer hin, dann sieht man, wie das klassische Angestelltenverhältnis der Baby-Boomer-Generation zunehmend am Schwinden ist: In der sogenannten Generation Y, also grob die zwischen 1980 und 1998 Geborenen, sind in Deutschland bereits 29 Prozent als Freelancer tätig. Die digitale Bohème verdingt sich als Crowdworker, Handwerker versteigern ihre Arbeitskraft auf Internetplattformen. Oft gilt hier das Prinzip: Der Billigste bekommt den Auftrag. Diese modernen Tagelöhner leben oftmals von der Hand in den Mund, sie haben weder eine Absicherung noch eine Gewerkschaft, dafür aber große Existenzängste."

2. Mehr Leiharbeit: "Im Grunde arbeiten wir ja nicht mehr, wir jobben. Sinnbild dafür ist der Leiharbeiter, der von Arbeitsstätte zu Arbeitsstätte tingeln muss, um sich von Mercedes, Amazon und anderen großen Konzernen ausbeuten zu lassen. Bis 1967 war Zeit- bzw. Leiharbeit (die Ausdrücke bezeichnen dasselbe, also die Arbeitnehmerüberlassung) in Deutschland gesetzlich verboten. Heute ist sie der Wirklichkeit gewordene Traum der neoliberalen Hardliner – und sie wird weiter zunehmen. Zwischen 1996 und 2016 hat sich die Zahl der Leiharbeiter mehr als verfünffacht auf mittlerweile fast eine Million Beschäftigte. Es ist eine bittere Ironie der Gegenwart, aber manch einer wäre heute schon froh, wenn er in einem Angestelltenverhältnis mit regelmäßigen Arbeitszeiten ausgebeutet werden würde. Mittlerweile werden über ein Drittel aller offenen Stellen in Deutschland als Leiharbeit ausgeschrieben, so die Bundesagentur für Arbeit. In Städten wie Bielefeld sind sogar über 50 Prozent der offenen Stellen als Leiharbeit deklariert. Zukunftsforscher gehen davon aus, dass die Zahl weiter steigen wird."  

3. Mehr Lohnabhängige im Niedriglohnsektor: "Jeder vierte deutsche Erwerbstätige arbeitet mittlerweile im Niedriglohn-bereich, das heißt er oder sie verdient weniger als 9,54 Euro brutto die Stunde. Wer ist davon konkret betroffen? Fast 90 Prozent der Taxifahrer gehören dazu, nicht besser sieht es aus bei Friseuren und Kosmetikern (85,6 Prozent), Reinigungskräften (81,5 Prozent) oder in der Gastronomie (77,3 Prozent). Hätte das Statistische Bundesamt auch Studierende und Kleinbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten erfasst (beide fallen aus der Statistik heraus), wären die Zahlen wohl noch alarmierender ausgefallen.

In den Niedriglohnsektor fallen oft auch sogenannte zero-hour contracts, die insbesondere in Großbritannien auf dem Vormarsch sind. Dort gibt es bereits 1,4 Millionen solcher Verträge. Bei den britischen McDonald's-Filialen arbeiten etwa 90 Prozent der Belegschaft unter diesen Bedingungen. Die Verträge legen eine Mindestbeschäftigungszeit von null Stunden fest, sprich, feste Arbeitszeiten oder garantierte Stundenzahlen gibt es nicht. Wenn das Unternehmen gerade keinen Bedarf hat, bleibt die Lohntüte leer. Es ist absehbar, dass auch in Deutschland Null-Stunden-Verträge eingeführt werden."

4. Mehr Automatisierung: "In Nürnberg rauschen seit 2009 fahrerlose U-Bahnen vollautomatisch durch die Unterwelt. Der Banken- und Versicherungssektor ist bereits zu über 50 Prozent automatisiert und digitalisiert. Und lernfähige E-Discovery-Programme wühlen sich durch Prozessakten und ersetzen mittlerweile Heerscharen von Rechtsanwälten. Computer und Roboter vernichten am laufenden Band Jobs.

Eine Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen könnten. Während etwa Sozialarbeiter oder Handwerker weniger gefährdet sind, ist das Risiko, ersetzt zu werden, für Beschäftige in den Bereichen Finanzen, Verwaltung, Logistik, Spedition und vor allem Produktion enorm hoch. Für Deutschland gibt es ähnliche Prognosen. Laut einer Studie von Volkswirten der ING-Diba-Bank sind 59 Prozent aller Arbeitsplätze gefährdet; von den rund 31 Millionen sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigten hierzulande könnten 18 Millionen von Robotern und Software ersetzt werden.

Ja, Automatisierung gab es schon immer, auch die Webstühle ersetzten massenweise Arbeitsplätze. Historisch einmalig ist an der heutigen Lage aber nicht nur, dass die Automatisierung schneller wächst als die Märkte, sondern auch, dass die Maschinen weit mehr Jobs ersetzen, als zu ihrer Herstellung notwendig sind. Die wenigen Jobs, die in der Computer- und Roboterbranche entstehen, können die gegenwärtige Jobvernichtung keineswegs kompensieren: In den achtziger Jahren waren noch 8,2 Prozent der Arbeitnehmer in denjenigen Technologie-Branchen tätig, die in diesem Zeitraum neu geschaffen wurden. In den neunziger Jahren betrug die Quote 4,2 Prozent und in den 2000ern lediglich 0,5 Prozent."

5. Mehr Arbeitslose: "Schon jetzt ist über eine Milliarde Menschen weltweit unterbeschäftigt oder ganz erwerbslos, Tendenz steigend. Die globale Arbeitslosenquote für die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren ist dreimal so hoch wie bei den Älteren, besonders betroffen sind Frauen. Nach Angaben der ILO (International Labour Organization) sind seit Beginn der Krise 2008 mehr als 61 Millionen Arbeitsplätze ersatzlos weggefallen. Und über 40 Prozent der Menschheit schuften für weniger als einen US-Dollar Lohn am Tag. Fast zwei Drittel der jungen Leute in Spanien und Griechenland sind arbeitslos. Die Ursachen der kapitalistischen Dauerkrise sind keineswegs bloß in der irrwitzigen Finanzindustrie zu finden, sie liegen einerseits begründet in der steigenden Automatisierung.

Die Kapitalakkumulation gerät zwangsläufig ins Stocken, wenn es keine Arbeiter mehr gibt, die Lohn erhalten und dann als Konsumenten das Kapital füttern, wie auch Marx betont: "Es liegt also in der Anwendung der Maschinerie zur Produktion von Mehrwert ein immanenter Widerspruch, indem sie die Arbeiterzahl verkleinert. Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbevölkerung also in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eignen relativen Überzähligmachung." Anderseits führt der Wegfall der Konsumenten zu einer permanenten Überproduktion. Den Unter-nehmen fehlen schlichtweg die Abnehmer, weshalb sie weiter Menschen auf die Straße setzen werden. Die Reserve-armee der Arbeitslosen wächst inzwischen zu einer globalen Phalanx heran.

Gleichzeitig ist vom Fachkräftemangel die Rede. Tatsache ist: Einzig bei Pflegerinnen und Pflegern besteht ein Mangel an Bewerbern, weniger bei Absolventen der sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik).

Die Wirtschaft will natürlich die Löhne drücken und sich nur die Rosinen rauspicken, der Rest aber bleibt arbeitslos. Arbeitsplätze könnten künftig also Mangelware sein. Der arbeitskritische Philosoph Robert Kurz bemerkte dazu: "Der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen."

Text: Patrick Spät / wordpress.com . Die Wiedergabe des Textes wurde vom Autor per mail vom 06.02.2016 autorisiert.

 

Quelle:

zeit.de/karriere/beruf/2016-01/zukunft-arbeit-arbeitsmarkt

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“Eine Arbeitsstunde” ist auf youtube abrufbar. Ich danke Frank Stohl für seine Hilfe den Film aufzubereiten: www.stohl.de Ebenso danke ich Axel Guhse, der 2002 die Kamera überwachte, mich in meinem Unterfangen bestärkte, über eine Stunde lang stillhielt und am Ende der “Arbeitsstunde” mein Glas erneut auffüllte.

 

Sieh Deine Arbeit!

Film: “Eine Arbeitsstunde” .  Alle Rechte bei Andreas Bressmer . c2002 / 2017

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