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genetic fingerprint - genetic skulptur

Objekt . 2002 - XXXX

Materialien: Transparentes Klebeband, Körpereigene DNA (Fingerfett, Hautrückstände, Haare, Eiweiße, Salze, Blut, Urin und Horn) . ca. 40 cm

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“genetic fingerprint - genetic skulptur” wurde ausgestellt:

Stadthaus, Ulm . 2004
Diözesanmuseum Rottenburg . 2004 / “Spuren” / Kunstverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart / Diözesanmuseum
Museum Biedermann, Donaueschingen . 2013 - 2014 /Dialog-Trialog#1 und #2” / Künstlerbund Baden Württemberg

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Anmerkungen zum Objekt 'genetic fingerprint - genetic skulptur'

Die Kugel besteht komplett aus transparentem Klebeband und hat derzeit einen Durchmesser von ca. 40 cm. Inzwischen wurden in einem jahrelangen Prozess, ca. 100 kleine und 150 große Rollen Klebeband in der Skulptur verarbeitet. Mit jedem Ablösen einer neuen Schicht Klebeband wurden durch den Herstellungsprozess genetische Spuren (Fingerabdrücke) von mir selbst (DNA) hinterlassen. Die genetischen Fingerabdrücke bestehen aus körpereigenem Fingerfetten, zudem genetische Spuren aus Salzen, Haaren, Horn etc.
 
"Andreas Bressmers biologische Identität ist mit Bestandteil dieser Arbeit. Die verwendeten Materialien enthalten noch nach Jahren, analysierbar seine DNA, die wiederum Ausgang und Träger seiner unverwechselbaren Existenz, und den Bauplan des Lebens und dessen Konzeption enthält." *

Ich habe mit dieser Arbeit im Jahre 2002 begonnen und verstehe sie als dauerhaften offenen Prozess. Meine Absicht ist es, mit der Zeit das Gewicht der Kugel, meinem derzeitigen Körpergewicht (Sekundäre biologische Identität) anzupassen, was letztendlich zu einem Durchmesser der Kugel von ca. 75 cm führen wird.

"Die Arbeit enthält den Gedanken des Endlichen ebenso, wie den Gedanken des Unendlichen, so ist es möglich über die physische Präsenz des Objekts hinauszugehen, und diese damit auch als weiterführende Bewegung des Lebens und der Existenz zu sehen." **

* Textpassage von Günter Urban aus Katalog "Lebensspuren", Diözesanmuseum Rottenburg, 2004
** Text: Klaus Heider

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“Wie hier der menschliche Körper selbst als Ausdrucksmittel eingesetzt wird, zieht Andreas Bressmer, das Material seiner biologischen Identität “genetic fingerprint” als Stoff und Inhalt seines Werkes heran. Eine vergrößerte Passbildaufnahme** (Identitycard) seiner selbst, konfrontiert er mit einer Kugel, dem alten Sinnbild für Umfassendes und Univerales, die mitunter aus eigenem Fingerfett, Hautrückständen, Haaren, Eiweißen, Salzen, Blut, Urin und Horn besteht. Die verwendeten Materialien enthalten, eventuell nach Jahren und Jahrhunderten analysierbar, seine DNA, die wiederum Ausgang und Träger seiner unverwechselbaren und einzigartigen Existenz ist und den Bauplan seines Lebens, seine Konzeption enthält.

In den Reliquien der der eigenen Leiblichkeit ist, um klassische philosophische Terminologie heranzuziehen, durch die Sicht auf die DNA, Potenz und Akt, Möglichkeit und Wirklichkeit zugleich und in einem präsent. Die Kugel selbst wird zum Reliquiar einer menschlichen Individualität. Die Präzision des Faktischen ist eingebettet im Materiellen, in den biologischen Resten, sie sind die Überbleibsel, das weiter Bestehende; demgegenüber besitzt das fotografische Abbild, soviel Genauigkeit es zu suggerieren vermag, geradezu den Status des Fiktiven und Verschwimmenden.” 

Text von Günter Urban aus Katalog "Lebensspuren", Diözesanmuseum Rottenburg, 2004
** Zunächst wurde der Skulptur eine gerahmte Kopie meiner Personalausweisfotografie beigestellt, später mein Personalausweis im Original.
Bei “Dialog-Trialog” / Museum Biedermann, 2013 - 2014, habe ich auf die Fotografie oder den Personalausweis ganz verzichtet.
 

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Museum Biedermann, Donaueschingen, 2013 - 2014

genetic fingerprint - genetic skulptur . Film . ca. 52 min . 2003

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“genetic fingerprint” ist auf youtube abrufbar. Ich danke Frank Stohl für seine Hilfe den Film aufzubereiten.

 

genetic fingerprint - genetic skulptur . Computertomografie / Röntgendiagnostisches Institut, Ludwigsburg . 2002

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genetic fingerprint - genetic skulptur . DNA.JD Muster / Landeskriminalamt Baden-Württemberg . 2003

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Ich stelle mich zur Verfügung! / Erneuerte Anmerkungen zum Objekt 'genetic fingerprint - genetic skulptur'

Zunächst war “genetic fingerprint” nur ein zufällig entstandener Klebebandrückstand, mit dem ich zwischen meinen Fingern spielte. Nachdem mir bewusst wurde, dass ich hierbei genetisches Material, zunächst in Form von Hautfett hinterließ, entschloss ich mich daraus eine Skulptur zu machen, in der ich körperliche Identifikationsmerkmale meiner biologischen Identität mit verarbeitete. In der Folge verwendete ich ca. 100 kleine, dann ca. 150 große Klebebandrollen, vermischt mit ausreichend biologischem Material meines Körpers. Ich hinterlasse hiermit meine komplette DNA in dieser Skulptur. Wie lange sich diese in Jahren, Jahrzehnten, gar in Jahrhunderten als brauchbar und reproduzierbar erweist, vermag ich nicht zu wissen.

In gewissem Sinne, stelle ich mich also zur Verfügung. Man könnte mich klonen, wohl schon in naher Zukunft, alles dazu notwendige biologische Material ist in dem Objekt enthalten. Das Objekt ist natürlich käuflich. Die Kontrolle über einen möglichem Missbrauch meiner biologischen Identität, wird mir von nun ab nicht mehr gelingen. (Fragebogen ganz unten)

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg war so freundlich, mir meinen persönlichen Gentischen Fingerabdruck zu erstellen. Ich gehe davon aus, dass meine eingesendete DNA, vom LKA auch dauerhaft gespeichert wurde. Ein mögliches Verbrechen meinerseits, ich hatte allerdings nie eines in Absicht, ist hiermit nun faktisch ausgeschlossen. Sie können sich also, zumindest was meine Person betrifft, absolut sicher fühlen!

Da der Mensch, bzw. der “allgemeine” Kunstbetrachter, in der Regel einem unwiderstehlichem Zwang unterliegt, das Objekt,das sogenannte “Objekt seiner Begierde”, oder ein Bild, nicht einfach nur zu betrachten, sondern vor allem zu berühren, sozusagen zu “betatschen”, werden wohl auf der Skulptur mittlerweile hunderte von unterschiedlichen DNA-Spuren zu finden sein. Jener Analytiker meiner Desoxyribonukleinsäure, kurz DNS; englisch DNA für deoxyribonucleic acid, möge diese Tatsache bei seinen wissenschaftlichen Überlegungen und Untersuchungen bitte mit einfließen lassen.

Die Form des Objekts entstand fast absichtslos und gehorchte immer meinem Willen.

2004 / 2013

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Die Fotoserie zeigt die Veränderung meiner Persönlichkeit, meinen Alterungsprozess mit fast konstanter DNA. Ich habe Jahre benötigt mich zu entscheiden, diese Fotoserie zu veröffentlichen, ich sehe sie als sichtbares und ungeschöntes Merkmal meiner DNA. Die fotografische Darstellung der zeitlichen Prozesse über zweiundfünfzig Jahre Lebenszeit, anhand meiner Person, gehören für mich obligatorisch zu dieser Arbeit.

August 2016

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Ich danke allen folgenden Personen
und Institutionen für ihre Unterstützung:

Dr., Dipl.- Biol. Mark Benecke
Sabine Gertz
Norbert Fischer
Prof. Klaus Heider
Karsten Hoppe
Dr. Wilhelm Kersjes
Peter Laurösch
Sylvia Mehlbeer
Dr. Peter Pflug
Dr. Frieder Rebel
Dr. Leo Reich
Margarete Reich
Markus Simon
Dr. Christian Steinbrück
Frank Stohl

Int. Forensic Research & Consulting, Köln
Dr., Dipl.- Biol. Mark Benecke

Praxis für Innere Medizin und Nephrologie, Göppingen
Dr. Frieder Rebel

Röntgendiagnostisches Institut, Klinikum Ludwigsburg
Dr. Christian Steinbrück

Landeskriminalamt Baden-Württemberg, Stuttgart
Dr. Peter Pflug



Erwähnung in Katalog: “Lebensspuren”, Bet.,
Kunstverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart . Diözesanmuseum, 2004
ISBN: 3-7966-1184-2
 

Erwähnung in Katalog: “Dialog/Trialog” . Künstlerbund BW, Bet.,
Museum Biedermann . Donaueschingen, 2014
ISBN: 978-3-88423-460-0




Abbildungen unten:
Adam und Eva . Albrecht Dürer . 1507 . Öl auf Kiefernholz . je 209 x 81 cm .  Prado, Madrid

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