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Filme, Fragmente, Aspekte und sich bewegende Bilder . 2001 bis 2021

Endgültig lassen wir im Norden Paduas die Alpen hinter uns

Der Film, ein sich bewegendes Standbild, bezieht sich auf das letzte Motiv, einer dreiundzwanzig Blätter fassenden Zeichnungs-Serie, die von 1996 bis 1999 entstanden ist. Der Titel des Filmes entstammt der gleichnamigen Reihe. Das Motiv zeigt den Ausblick aus meinem Küchenfenster, der sich seitdem kaum verändert hat.

Endgültig lassen wir im Norden Paduas die Alpen hinter uns

Film . ca. 04 min . 2021 . Schnitt: Norbert Fischer

 

Endgültig lassen wir im Norden Paduas die Alpen hinter uns

Bild 23 von 23, der Serie: Endgültig lassen wir im Norden Paduas die Alpen hinter uns . Buntstift auf Papier . 60 x 80 cm . 1999

”Bücherverbrennung”

Papier brennt ab Fahrenheit 451, dies entspricht 233 Grad Celsius. Das Buch "Fahrenheit 451" ist ein dystopischer Roman von Ray Bradbury der im Jahre 1951 erschien. Ich kaufte mir über die Jahre elf Ausgaben von diesem Buch, antiquarisch wertvolle Ausgaben, die ich zu einem Bündel verknüpfe und entzünde. Im Roman "Fahrenheit 451" wird die Feuerwehr nicht verpflichtet brennende Bücher zu löschen, sondern diese mit Flammenwerfern zu entzünden. Eine völlig absurde Vorstellung. Das Bündel brannte nach erstem Entzünden so gut wie nicht, ich musste einen Brandbeschleuniger benutzen, so wie die "Feuerwehr" in “Fahrenheit 451”. Die Überreste der Bücher, ließ ich noch glimmend zurück. Diesen Platz werde ich eines Tages wieder aufsuchen. Dass Bücher so schlecht brennen, war mir nicht bewusst.

Film . ca. 30 min . 2021 . Schnitt: Norbert Fischer

 

Nachtigall / Autobahn A5

Nachtigall, Braunliest, Zitronenstelze, Buschrohrsänger, Goldhähnchenlaubsänger, Kalanderlerche, Kurzzehenlerche, Stummellerche, Haubenlerche, Feldlerche, Heidelerche, Ohrenlerche, Spornpieper, Brachpieper, Baumpieper, Wiesenpieper, Rotkehlpieper, Strandpieper, Bergpieper, Gebirgsstelze, Bachstelze, Trauerbachstelze, Schafstelze, Englische Schafstelze, Spanische Schafstelze, Nordische Schafstelze, Maskenstelze, Seidenschwanz, Wasseramsel, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Alpenbraunelle, Heckensänger, Rotkehlchen, Sprosser, Blaukehlchen, Hausrotschwanz, Gartenrotschwanz, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Steinschmätzer, Mittelmeerschmätzer, Trauersteinschmätzer, Steinrötel, Blaumerle, Ringdrossel, Amsel, Wacholderdrossel, Singdrossel, Rotdrossel, Misteldrossel, Seidensänger, Cistensänger, Feldschwirl, Rotschwirl, Schlagschwirl, Mariskensänger, Schilfrohrsänger, Teichrohrsänger, Sumpfrohr-sänger, Drosselrohrsänger, Blaßspötter, Dunkellaubsänger, Gelbspötter, Orpheusspötter, Brillengrasmücke, Provence-grasmücke, Bartlaubsänger, Weißbartgrasmücke, Samtkopfgrasmücke, Maskengrasmücke, Orpheusgrasmücke, Sperbergrasmücke, Klappergrasmücke, Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke, Grünlaubsänger, Gelbbrauenlaubsänger, Berglaubsänger, Waldlaubsänger, Zilpzalp, Fittis, Wintergoldhähnchen, Sommergoldhähnchen, Grauschnäpper, Zwergschnäpper, Halsbandschnäpper, Trauerschnäpper, Bartmeise, Schwanzmeise, Sumpfmeise, Weidenmeise, Lapplandmeise, Haubenmeise, Tannenmeise, Blaumeise, Kohlmeise, Kleiber, Felsenkleiber, Mauerläufer, Waldbaumläufer, Gartenbaumläufer, Beutelmeise, Rotrückenwürger, Schwarzstirnwürger, Raubwürger, Rotkopfwürger, Maskenwürger, Pirol, Star, Einfarbstar, Rosenstar, Haussperling, Weidensperling, Feldsperling, Steinsperling, Schneefink, Buchfink, Bergfink, Girlitz, Zitronengirlitz, Grünling, Erlenzeisig, Stieglitz, Bluthänfling, Berghänfling, Birkenzeisig, Polar-birkenzeisig, Rotaugenvireo, Baltimoretrupial, Weißkehlammer, Fuchsammer, Schnäpperwaldsänger, Junko, Fichten-kreuzschnabel, Kiefernkreuzschnabel, Karmingimpel, Hakengimpel, Kernbeißer, Gimpel, Schneeammer, Spornammer, Zaunammer, Goldammer, Zippammer, Ortolan, Grauortlan, Waldammer, Zwergammer, Rohrammer, Weidenammer, Kappenammer, Grauammer, Nachtigall

Irgendwann, im Spätsommer 2018, in Freiburg, nachts, rechts der Schwarzwald. Das Mikrofon der Kamera ist auf ein “Schutzgebiet” gerichtet. Eine Nachtigall singt, brilliert, konkurriert mit anderen Vögeln und der Autobahn A5.

Film . ca. 06.20 min . 2018 bis 2021 . Tonqualität und Schnitt: Norbert Fischer

 

Atmung (C)

"Atmung: Die Lungenventilation, kurz auch als Ventilation bezeichnet, beschreibt die Atmung in der Bedeutung Lungen-belüftung und damit die „Fähigkeit, den Brustraum zu vergrößern und zu verkleinern und damit Luft in ihn einzusaugen und aus ihm auszupressen“. Die Ventilation ermöglicht den Gasaustausch in den Lungenbläschen (Respiration, Atmung im zweiten Wortsinne), indem sie den Sauerstoffpartialdruck hoch und den Kohlenstoffdioxidpartialdruck niedrig hält, so dass Sauerstoff ins Blut übertreten und CO2 abgeatmet werden kann. Die Ventilation ist keine Leistung der Lunge selbst (die Säugetierlunge besitzt keine Muskulatur), sondern des Zwerchfells und der Zwischenrippenmuskeln, die vom Gehirn über Nerven gesteuert, das im Brustkorb zur Verfügung stehende Volumen periodisch vergrößern und verkleinern. Die zur Venti-ation notwendigen Strukturen werden zusammenfassend als “Atempumpe” bezeichnet."

"Sauerstoff: (auch Oxygenium genannt; von altgriechisch ὀξύς ‚oxys‘, „scharf, spitz, sauer“ und γεννάω ‚gen-‘ „erzeugen, ge-bären“, zusammen „Säure-Erzeuger“) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol O. Entsprechend seiner Ordnungszahl 8 steht es an achter Stelle im Periodensystem und dort zusammen mit den Elementen Schwefel, Selen, Tellur, Polonium, Livermorium, die die Chalkogene bilden, in der sechsten Hauptgruppe, bzw. 16. IUPAC-Gruppe. Sauer-stoff ist bezüglich der Masse mit 48,9 % das häufigste Element der Erdkruste, das häufigste Element der Erdhülle und mit rund 30 % das zweithäufigste Element der Erde insgesamt." Quellen: Wikipedia

Die Personen die mit mir am 07.02.2021 atmeten, wurden von Kathleen Jahn und Norbert Fischer verkörpert.

Schnitt: Norbert Fischer

Film . ca. 04.50 min . 2021

 

20. Januar 2021 (Landschaft III)

Ich stelle eine Kamera inmitten einer Landschaft auf, der Standort wurde zunächst spontan gewählt, der Ausblick und Anblick ist unscheinbar, die Landschaft gewöhnlich. Die Jahreszeit spielte bei der Auswahl keine Rolle. Es ist Winter. Ich suche nach einer Fährte im Schnee, einer Spur, einem Weg und erblicke eine Schneise, eine Straße, sie bildet eine absolute Waagrechte in der Natur. Ich richte das Objektiv auf diese weiße Horizontale. Kaum Vögel, kein Wind, alles ist bewegungslos, erstarrt. Nur Fahrzeuge bewegen sich in geradlinigen Abläufen und Geräuschen auf ihren Arbeitswegen durch diese Landschaft hindurch, sie stören, zerschneiden das scheinbare Idyll. Ich lasse die Kamera laufen und beo-bachte, wie sich die Sonne über einen gewissen Zeitraum durch die Bäume hindurch facettenreich ihrem Horizont nähert. Mehr nicht.

Der Film ist eine Anlehnung an: (Landschaft II) vom 31.10.2005

Film . ca. 22 min . 2021 . Schnitt: Norbert Fischer

 

Schnee I und II (Massenverteilung)

OBJEKT HINWISCHEN . OBJEKT WEGWISCHEN . MASSENVERTEILUNG

"Als Massenverteilung bezeichnen Geowissenschaftler, Astronomen, Physiker und Techniker die räumliche Verteilung der Masse innerhalb eines Festkörpers oder gut definierbaren Fluids. Durch die mathematische oder koordinative Beschrei-bung der Massen, etwa als abgegrenzte Einheiten, als Verteilung von Massenpunkten oder als radialsymmetrische Dichtefunktion, lassen sich verschiedene Parameter des Körpers berechnen und physikalische Modelle seines Innenraums aufstellen. Die Massenverteilung des Körpers bestimmt u. a. die Lage des Schwerpunkts, das Trägheitsmoment und beein-flusst das dynamische Verhalten, etwa die Eigenschwingungen. Auch Funktionale des Schwerepotentials im Innen- und Außenraum werden von der Anordnung der Massen beeinflusst, insbesondere wenn deren Verteilung asymmetrisch ist.”

"Schnee besteht aus feinen Eiskristallen und ist die häufigste Form des festen Niederschlags." Quellen: Wikipedia

Die Variationen entstanden im Januar 2021. Die zweite Person wird von Kathleen Jahn verkörpert.

Schnitt: Norbert Fischer

Zwei Filme . jeweils ca. 06 min . 2021

Schnee 01

 

Schnee 02

 

 

Lesung

LESUNG . AUFLESUNG . AUSLESE
OBJEKT AUFBAUEN . OBJEKT ABBAUEN

Der Film entstand im November 2020 und bezieht sich indirekt auf die Filme KALK (Jura) I und II

Die zweite Person wird von Bruno Nagel verkörpert.

Schnitt: Norbert Fischer

Film . ca. 05 min . 2020

Lesung

 

KALK (Jura) I und II

Über Jahrhunderte hinweg entfernten die Bewohner der Schwäbischen Alb Kalksteine von ihren Feldern. Immer in der Hoffnung, auf der kargen Hochfläche, die wenigen Zentimeter Humus zu erhalten um darauf Feldfrüchte anbauen zu können. Um jede Aussaat wurde gerungen. Die Steine des "Weißen Juras" lagen so dicht, dass kaum ein Keim durch die Krume ans Licht gelangen konnte. Bei jeder neuen Regenflut legte die Erosion weitere Kalkschichten des Jurameeres frei. Es war eine fast aussichtlose Arbeit, im wahrsten Sinne eine “Sisyphus-Arbeit”, Nahrung zu gewinnen.

Kalksteinanhäufungen an den Feldrändern zeugen noch heute von diesen Versuchen. Ich vermute, dass einige, an denen ich über Jahrzehnte entlang wanderte, hier seit Generationen unberührt liegen.

Die Filme sind eine Reminiszenz an unsere Vorgänger, die über Generationen Steine gelesen und geschichtet haben.

Die Variationen entstanden im Oktober 2019 und August 2020. Die zweite Person wird von Bruno Nagel verkörpert.

Kamera und Schnitt: Norbert Fischer

Zwei Filme . jeweils ca. 06 min . 2019 und 2020

 

 

Maschine I & II

“Eine Maschine (entlehnt aus französisch machine, von  latainisch machina, dieses von altgriechisch
μηχανή, mēchanḗ, deutsch, Werkzeug, künstliche Vorrichtung) ist ein technisches Gebilde mit durch ein Antriebssystem bewegten Teilen. Maschinen werden als techn. Arbeitsmittel vor allem für mechanische Einwirkung verwendet. In der Vergangenheit stand der Energie- und / oder Stofffluss im Vordergrund. Der Informationsfluss spielte zuerst in feinmechanischen Geräten eine Rolle, ist heute aber in fast allen Maschinen von Bedeutung (Automatisierung). Ziele für die Erfindung von Maschinen waren aus der Sicht eines Arbeiters eine Verstärkung der eigenen Kraft, Zeitgewinn, Genauigkeit, feinere Bearbeitungsmöglichkeit und Fertigung identischer Produkte. Es folgte eine Entlastung des Produktionsarbeiters von körperlicher und geistiger Arbeit durch Maschinen und Geräte. Diese modernen Arbeitsmittel übernehmen vor allem Routine und gefahrvolle Arbeiten.” Quelle: Wikipedia

»Es ist ein eigentümlicher Apparat«, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und überblickte mit einem gewisser-maßen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat...” Der  erste Satz aus “In der Strafkolonie” von Franz Kafka

Film . ca. 20 min . 2006 . DVD

Maschine I und II

 

Eine Unterhaltung

Die Unterhaltung fand wahrscheinlich spontan statt, zwei Menschen die sich offensichtlich kannten, verloren sich in einem Gespräch. Über was redeten sie? Ich frage mich, wie viel Worte geredet wurden. Es müssen mehrere hunderte, wenn nicht tausende gewesen sein. Ich frage mich, wie viele Worte ich schon in meinem Leben geredet und erhalten habe.

Warum ich die Kamera, spontan auf diese Szenerie richtete, weiß ich nicht mehr, was mich dazu verleitete, drängte, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Ich war Voyeur, dessen bin ich mir bewusst, ich lies die Kamera laufen, über 15 Minuten, so lange fand diese Unterhaltung statt.

Diese Unterhaltung ist grandiose Gestik, großes Drama, Schauspiel, Theater, wie so viele Unterhaltungen, die wir führen und die uns umgeben.

Ich habe versucht, im Sinne der DSGVO den Film noch unschärfer zu machen, was mir nicht gelang. Zu meiner Entlastung entstand er lange vor der Einführung dieser Verordnung. Ich gehe davon aus, dass dieser Film zu keiner Zeit den gezeigten Personen gegenüber diskreditierend ist, er ist lediglich beobachtend, dokumentierend und zeigt ein Stück uns umgebender Realität.

Die Unterhaltung fand am späten Nachmittag des 27. März 2005 statt, es war ein Sonntag, beginnendes Frühjahr.

Film . ca. 16 min . 2005 . DVD . Ohne Ton

Eine Unterhaltung

 

31. Oktober 2005 (Landschaft II)

Es sollte ein "Landschaftsbild", ein Herbstbild werden, ein "Goldener Herbst", wie ein “Hochglänzendes Kalendermotiv”. Ich fand eine geeignete Stelle, das Wetter und die Vegetation waren stimmig. Die Kamera stand starr, über die gesamte Film(Bild)länge war sie nur auf ein Motiv gerichtet. Die Bewegung in diesem Bild wird nicht durch eine mögliche Szenerie oder durch die Bewegung der Kamera erzeugt, sondern lediglich durch den Wind, der, wenn er vorhanden war, das Motiv minimal veränderte.

Die Ansicht hat die "Anmutung" einer Waldlandschaft in Öl auf Leinwand, ähnlich der eines "Alten Meisters". Immer wieder fuhren "Kraftfahrzeuge" durch dieses "Landschaftsbild".

Film . ca. 29 min . 2005 . DVD . Ohne Ton

Landschaft II

 

Vier Städte (Die “Koalition der Willigen”)

Im Jahr 2003 wurde durch die USA und die "Koalition der Willigen" zum zweiten Mal ein Krieg gegen den Irak ausgerufen. Ich erinnere mich, wie ich in der Nacht des zu erwartenden Angriffes fast schon voyeuristisch vor dem Fernseher saß, um die Live-Berichterstattung über die Ereignisse zu verfolgen. Der "Zweite Irakkrieg" begann am 20. März 2003.

Es war der "Große Moment" voller Anspannung, in dem jedoch über Stunden nichts geschah. Es wurde das immer gleiche Bild einer beleuchteten Straße in Bagdad eingeblendet. Das Livebild des gezeigten Straßenzugs hatte den "Charme" eines Fotos einer Verkehrsüberwachungskamera, selten fuhr ein Auto durch die Szenerie, es glich einem Standbild.

Über den gesamten Verlauf der Berichterstattung versuchten Moderatoren und Kommentatoren der verschiedensten Sender, die Zeit vor der ersten Angriffswelle mit meist mehr oder weniger gehaltvollen Inhalten und Spekulationen zu überbrücken. Mir schien, als sollte die Welt die erste Angriffswelle und Bombardements, “aufgepuscht” von den Medien gespannt erwarten. Es war wohl die erste Liveberichterstattung eines Krieges, die im Fernsehen übertragen wurde. Gegen vier Uhr in der Nacht wurden die ersten Aufnahmen einschlagender Bomben gesendet. Die Moderatoren berichteten live und exklusiv von einem Hochhaus in Bagdad, in das sie einquartiert waren, die Kameras waren auf das explodierende Regierungsviertel dieser Stadt gerichtet. Es wurde von "Smarten Bomben" geschwärmt, die eine chirurgisch genaue Treffsicherheit hätten. Der Begriff "Kollateralschaden" gewann für mich durch seine permanente Wiederholung an Bedeutung. Es war wie ein Rausch, es war wie Sylvester, es war grandioses Theater, letztlich war es wie ein Computerspiel, in dem jeder Treffer mit einem Punkt belohnt wurde. Die Kommentatoren überboten sich in ihrer "Präzision" gegenseitig, so präzise wie anscheinend die Bomben einschlugen.

Als ich zu Bett ging, zeigte sich schon die Sonne über unserem heimischen Horizont, Vögel begannen mit ihrem Gesang, die Brunft begann bereits, in unseren Breitengraden fuhren die Menschen zur Arbeit. Ich dachte an die Opfer, die möglichen Getöteten, die Bombardements, die ich entweder als leuchtende "Gemälde" oder nur in grünlich flimmernden, abstrakten Bildern vorgeführt bekommen hatte. Ich fühlte mich schäbig, als Gaffer, als Voyeur, dem dieses Gemetzel medial auf das "Allerfeinste" angerichtet wurde. Es war surreal.

In meinem Film spielt die Straße in Bagdad zunächst die Hauptrolle. Diese Straße konfrontiere ich mit Straßenzügen aus Ulm, Stuttgart und Göppingen, Straßenzüge, wie wir sie kennen. Scheinbar ist alles Geschehen so weit weg und dennoch so nahe. Auf einen Ton habe ich in dieser Filmcollage bewusst verzichtet. 

Heute wissen wir: Dieser Krieg hat unzählige Opfer gekostet, den Mittleren Osten ins Chaos gestürzt und war auf politischen Lügen gebaut.

Im Juni 2019 versuchte die amerikanische Führung erneut, Staaten für eine Kooperation, nun gegen den Iran gerichtet, zu gewinnen. “USA wollen neue „Koalition der Willigen”. Im Konflikt mit dem Iran will Washington jetzt eine weltweite Koalition aufbauen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach von einer Koalition, die sich nicht nur über die Golfstaaten erstreckt, sondern auch über Asien und Europa“. (Quelle: Frankfurter Rundschau online vom 24.06.2019, 15.38 Uhr)

Film . ca. 13 min . 2003 . DVD . Ohne Ton

Vier Minuten.

 

30 Minuten hin, 30 Minuten zurück... (“Eine Sehenswürdigkeit”)

(30 Minuten hin, 30 Minuten zurück) entspricht der maximalen Zeitdauer, von der ich persönlich ausging, dass ein Wanderer oder Spaziergänger gewillt ist, eine “Sehenswürdigkeit” zu Fuß aufzusuchen. Ich entschied mich für einen völlig unspektakulären Weg, an dessen Ziel nach exakt 30 Minuten, keinerlei visuellen Ereignisse zu erwarten waren. Ich hinterließ am Umkehrpunkt eine “Ansichtskarte” von “Schloss Neuschwanstein". Auf dem ebenso 30 Minuten dauernden Rückweg, hatte ich genügend Zeit mir eine “Sehenswürdigkeit” nach Belieben vorzustellen.
  
Film . ca. 60 min . 2003 . DVD

30 Minuten hin, 30 Minuten zurück...
30 Minuten hin, 30 Minuten zurück... Fotografie

 

genetic fingerprint / genetic skulptur

Das Objekt besteht komplett aus transparentem Klebeband. Während der Filmaufnahme 2003 erreichte es einen Durch-messer von ca. 15 cm. Im nachfolgenden Prozess, wurden ca. 100 kleine und 150 große Rollen Klebeband auf das Objekt aufgetragen. Es hat inzwischen einen Durchmesser von ca. 40 cm. Mit jeder neuen Schicht Klebeband wurden durch den Herstellungsprozess genetische Spuren (Fingerabdrücke) von mir selbst (DNA) hinterlassen. Die genetischen Finger-abdrücke bestehen aus körpereigenen Fingerfetten und weiteren genetischen Spuren.

Der Film zeigt einen fast einstündigen Ausschnitt aus dem monoton, meditativ verlaufenden Herstellungsprozesses des Objektes.
 
Film . ca. 52 min . 2003 . DVD

Mehr Informationen zu: genetic fingerprint / genetic skulptur

Genetic Fingerprint - Genetic Skulptur

 

OOYL I (Organisation of your life)

Für die Ausstellung “Projekt Arbeit” konzipierte ich die fiktive Organisation OOYL (Organisation of your life). OOYL kann als Partei, als ein Unternehmen, als eine politische Gruppierung, als ein religiöses Geschäft verstanden werden. Die Inhalte von OOYL sind spekulativ, populär und jederzeit austauschbar. OOYL ist Slogan pur!

In 2003 verfasste ich einen Text, bestehend aus gesammelten Phrasen und Slogans um die Ansichten und Auffassungen von OOYL zu untermauern und bekannt zu machen. OOYL entlarvt sich in diesem Text selbst.

Axel Guhse sprach diesen Text erstmalig 2003, er wurde als Film auf DVD veröffentlicht.

Film / Ein Hörstück . ca. 22 min . 2003 . DVD

Mehr Informationen zu: Organisation of your life

OOYL

 

”Rohling”

Konzept, Objekt und Film . Andreas Bressmer und Norbert Fischer . 2003

Ein "Rohling" ist ein unbespielter, neutraler Datenträger, ohne jeglichen digitalen, informierenden oder filmischen Inhalt.

Ein Standbild eines "Rohlings", ein Filmstandbild einer DVD, deren Inhalt nichts anderes ist als die Darstellung seiner selbst. Die DVD wird durch den Film zum Objekt und Film, ist Objekt und bleibt Film. Die DVD, ein Filmträger wird zum Darsteller seiner selbst, die DVD, ist Handelnde, ist Schauspielende, die sich selbst spielt und zeigt. Das Objekt wird zum Film, der Film bleibt Objekt.

Film . ca. 3 min . 2003 . DVD
 


"Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine..."  (Gertrude Stein . 1913)

1913: "Rose is a rose is a rose is a rose."

1935: "A rose is a rose is a rose is a rose."

Das Wort "Rose", das auch als Anagramm von "Eros" gelesen werden kann, bezieht sich in dem 1913 verfassten und 1922 erstmals publizierten Gedicht "Sacred Emily" auf den Namen  "Jack Rose", der in dem Gedicht mehr als hundert Zeilen vor dem berühmten Satz einmal erwähnt wird.

Zu “Gertrude Stein”

Rohling 01
Rohling 02
Rohling 03

 

Eine Arbeitsstunde

Ich wollte produzieren, ohne etwas herzustellen. Das Produkt löst sich während des Arbeitsprozesses kontinuierlich auf, es wurde keinerlei Wertschöpfung erzielt. Die Tätigkeit wird reduziert auf einen sich endlos wiederholenden Vorgang, wird zur nichts erzeugenden Zeitverschwendung. Die Maximalausnutzung der Arbeitskraft war obligatorisch.  Davon ausgehend, dass ein ordentlicher europäischer Arbeitnehmer in seinem Leben ca. 85000 Arbeitsstunden leistet, wollte ich eine fiktive Arbeitsstunde imitieren, die exemplarisch für eine bestimmte Arbeitsform steht und die allen, auf wenige Handgriffe reduzierten, Erwerbsarbeiten zugrunde liegt. Das Ziel war, den üblichen Akkordbedingungen entsprechend, die mir selbst auferlegten Leistungsvorgaben zu erfüllen. Die Arbeitsstunde war also ohne Unterbrechung zu vollziehen.

Innerhalb einer Minute sind ca. 30 Handlungsabläufe zu verzeichnen, in sechzig Minuten sind ca. 1800 Bewegungen durchzuführen. Bei einem durchschnittlich achtstündigen Arbeitstag wären dies 14400 Handlungen, die mit erhöhter Konzentration, Übung, Motivation, unter Androhung von Zwangsmaßnahmen, Strafe, oder mit “Kontinuierlich verbesserten Prozessen” (KVP), in Absicht einer permanenten Effizienzsteigerung, somit zu einer potentiellen Gewinnmaximierung führen könnten. Körperlich war es äußerst strapaziös, wurde zur Tortur.

In manchen Momenten dachte ich an Aufgabe, immer im Bewusstsein, dass solche Disziplinlosigkeiten in der Realität zu einer einseitigen Kündigung des Arbeitsverhältnisses hätten führen können.

Ich vollzog die Arbeitsstunde am 09.08.2002. Machen Sie nach!

Film . ca. 64 min . 2002 . DVD

Mehr Informationen zu: Eine Arbeitsstunde

Eine Arbeitsstunde.

 

Acht Autos (Drei Drähte)

Der Inhalt des Filmes besteht aus einem immer gleichen Bildausschnitt. Die Kamera fokussiere ich auf drei Drähte der Hochspannungsleitung vor meinem Küchenfenster im dritten Stock.

Ich halte die Kamera bewusst in der Hand, verzichte auf ein Stativ, um das zunehmende Zittern meiner Hand und meines Oberarmes zu dokumentieren. So werden drei Drähte zu einem sich bewegenden Bild, zu einer sich bewegenden Abstrak-tion.

Hauptsächlich dokumentiere ich meine Belastung, wie ich über diese Zeitspanne an meine körperlichen Grenzen komme. Ich versuche die Kamera einigermaßen stabil und waagrecht zu halten und das Zittern meiner Gelenke zu kontrollieren. Während dieses Vorganges versuche ich mich, durch das Denken an abstrakte Kunst und an das Gehen in der Natur, abzulenken. Ohne diese mentale Unterstützung, hätte ich meine Muskulatur nicht kontrollieren, meine Atmung nicht ruhig halten können und diese Belastung nicht durchgestanden. Immer wieder dringen Stimmen von vorbeigehenden Passanten herauf.

So entstehen fast 45 Minuten Bildmaterial, die ich nicht reduziere, sondern so belasse wie sie sind.

Während der Aufnahme regnet es dicht und ohne Unterlass, acht Autos fahren währenddessen vorüber.

Film . ca. 46 min . 2002 . DVD

Acht Autos.

 

Der Situation gefasst entgegentreten...

Konzept und Film . Andreas Bressmer und Norbert Fischer . 2001

Unsere Absicht bestand lediglich darin, ein typisches Reiseutensil, einen Koffer durch ein Bild zu ersetzen, um damit eine kurze Reise zu unternehmen. Einen urbanen Raum zum Ausstellungsraum zu machen. Ein Kunstgegenstand wurde zu einem Gebrauchsgegenstand, wurde zu einem Gepäckstück. Norbert Fischer trug mein Bild, versehen mit Tragegriff und der Adresse des “Besitzers”, einen Tag lang durch Berlin. Die aufzusuchenden Orte haben wir während unseres Weges spontan entschieden. Der Film erzählt von dieser "Reise". Wir haben das Bild, auf einem belebten Platz zurückgelassen, wie einen "Koffer vergessen". Ein "Dieb" bemächtigte sich dessen. Was aus dem Bild, dem "Koffer" geworden ist, wissen wir nicht. Das Bild trug den Titel “Der Situation gefasst entgegentreten”.

Darsteller . Norbert Fischer
Kamera . Andreas Bressmer
Schnitt . Kai Hoffmann

Film . ca. 24 min . 2001 . DVD

Der Situatio gefasst entgegentreten...

 

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