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Aktionen, Handlungen, Wanderungen, Skizzen, Fragmente und Geschichten . 1998 bis 2017

Säule (horizontal) . Konzept und Realisation mit Voré . Oktober 2016 bis Mai 2017

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Der Begriff "Säule" entstand konzeptionslos, er entwickelte sich während unzähliger Mails, er kristallisierte sich aus unseren Worten, er zwang sich auf, im Grunde wussten wir nicht, wohin wir wollten und wohin uns die Worte lenkten, wir hatten andere Ambitionen. Der Begriff "Fährte" war einer der Aspekte. Letztlich nahmen wir mit der "Säule" eine "Fährte" auf. Unsere Worte hielten wir fest, über einen Zeitraum vom sechs Monaten, es sind ca. achtzig DIN A4 Seiten daraus geworden.

Am 14. Januar dieses Jahres schrieb ich um 01.46 Uhr: "...und dennoch ist die Säule nichts anderes als ein großartiges, geometrisches Element in der Kunst und Architektur. Im Grunde kann ihre Form als die Absolutheit gesehen werden, an der seit Jahrhunderten nichts mehr verbessert werden musste. Sie zeigt uns einen Zustand der Reinheit, sie ist grandios klar. Sie ist in absolut makelloser Stellung, ist die Schönheit der Stabilität, sie ist die Geometrie. In ihrer Abstraktion wird sie mir zu einem Strich"

Irgendwann, in den Monaten des Schreibens, drängte sich die Donau auf, eine Dame, sie bekam in unseren Texten schnell eine Rolle, sie wurde uns zur waagrecht liegenden Säule. Denn, ist ihr Verlauf in seiner Gesamtlänge gesehen, nicht auch eine Säule, die nicht vertikal, die sich jedoch horizontal über 2857 km durch die Landschaften zieht, volltrunken von europäischer Geschichte?

Am 06. Mai 2017 hinterlassen wir bei Riedlingen an der Donau, zwei Artefakte. Ich gebe eine stylisierte Säule, in die Wasser des Flusses, bestehend aus einer Linie auf einem Stein und einem Stück Metall. So kann die Donau in dieser Aufreihung einer Linie, ihrem Verlauf gehorchend, als eine abstrahierte Säule gesehen werden. Mein Objekt greift diese Linie auf.

Vorè übergibt dem Fluss, dieser Dame, unsere Zeilen, aufgerollt auf einer blau aquarellierten Holzsäule, seine "Wörter-säule". Einen "Wörterfaden", wie er es selbst nennt, zusammengeklebt aus hunderten Zeilen unseres Textes. Er schreibt am 06. April, um 22.58 Uhr:  "...wenn ich richtig gerechnet habe, ist der Faden jetzt 133,62 m lang. Ein respektables Ergebnis!"

Ob unsere Zeilen, das "Schwarze Meer" erreichen werden ist ungewiß. Vorè hat unsere Zeilen, der Geschwindigkeit der Wellen angepasst, zu Wasser gelassen, zuletzt, in einem weiten Wurf dem Fluß und den Zeiten übergeben. Sein blau aquarelliertes Rundholz, mit unseren aufgerollten Zeilen, hat sich auf eine Reise entlang europäischer Länder begeben. Wo unsere Worte stranden, ob sie sich in einem Dickicht verheddern, oder sich in ihre Bestandteile auflösen, wir wissen es nicht.

Wir danken Markus Simon für die Erstellung der QR-Codes, b-werbung für die Plotterfolien und Bruno Nagel für eine Signatur des Begriffes “Säule” auf  einem “Steinblatt” von Voré

Fotografien / Standorte

Drei Objekte

Voré 01

Voré 02

Bild 002 Säule

Wir zeigten unsere Bilder (remix II / Neuauflage II) . Mit Sylvia Mehlbeer . 1999 bis März 2017

Wir zeigten uns unsere Bilder 03 2017

Fotografie: Markus Simon . 17.03.2017

Am 17.03.2017, zeigen wir auf der Gemarkung 10/1-Haier unsere Bilder. Wir wiederholen die Aktion nach fünfzehn und nach drei Jahren noch einmal, die erste Aktion fand am 28.02.1999 statt, die zweite am 20.12.2014. Seitdem sind 6382 Tage vergangen, die Landschaft hat sich kaum verändert. Ein paar Bäume wurden gefällt, neue gepflanzt, die Gegend ist noch immer kein Baugebiet. Wir hatten Publikum, eine Person war zugegen. So wurde aus der ursprünglichen Aktion: "Wir zeigten uns unsere Bilder", die Aktion: "Wir zeigten unsere Bilder”. Spaziergänger blieben aus, kein Hundegebell war zu hören. Wolkenreiches, windiges Wetter, der Vorbote eines angekündigten Tiefdruckgebietes. Erste zarte noch kaum sichtbare Knospen an den Ästen, aufziehendes Frühjahr.

Ich danke Diane Sofka für Ihre Darstellung einer Person und Markus Simon für die Neuformatierung der Perspektive und der Realisation der Fotografie

Texte: 1999, 2014, 2017

Wir zeigten uns unsere Bilder 02 2014

Fotografie: Markus Simon . 20.12.2014

Wir zeigten uns unsere Bilder 01 1999 a

Fotografie: Siegfried Hopf . 28.02.1999

Unbelassen lassen . Konzept und Realisation mit Norbert Fischer . Oktober 2016 bis Januar 2017

Unbelassen lassen 01

Der Tag war trüb, dichter Hochnebel, Hochdruck, die Blätter auf dem Waldboden werden schon zu Humus. Keine Stim-men, keine Vögel waren zu hören. Ein letztes sattes Grün der Brombeeren und das helle Braun der Buchen ist noch sichtbar. Es sind die einzig verbliebenen Restfarben an diesem kargen Tag, es ist der 17.12.2016. Schnee wird kommen, oder auch nicht.

Wir greifen nur minimal ein, wir bestimmen ein Territorium. Um eine spontan gewählte Stelle, ca. 5 x 4 m, in einem belieb-igen Wald, Gemarkung 10/1 Haier, spannen wir ein weißes Band, das somit eine fiktive Räumlichkeit ergibt. Die sich resul-tierende Fläche wird zu einem scheinbar wichtigen Gebiet, zu einer Koordinate in der Landschaft, durch unsere Bestimmung zu einem möglichen Ausstellungsraum, zu einem "White Cube", durch die Fotografie zur Abstraktion. Die Natur innerhalb dieses Distrikts bleibt sich selbst überlassen, so wie wir sie vorfinden. Die Arbeit ist eine kurze Momentaufnahme der Gegenwart, eine Bestandsaufnahme einer beliebigen Landschaft, ein Zeitabschnitt, eine Fixierung des Zustandes, ein kurzer Moment innerhalb der permanenten Veränderungen. Sie kann als eine momentane Zustandsbeschreibung im Lauf der Zeit gesehen werden. Es findet keine Korrektur der Begebenheiten durch uns statt, wir definieren lediglich einen Raum, der von nun an für bedeutend erachtet werden kann, oder auch nicht. 

Fotografien / Standort

Karte / ”Schutzzone”

Text / Norbert Fischer

Unbelassen lassen 02
Unbelassen lassen 03

"Saatgut" (Siebzehn Schweigeminuten) . September bis November 2016

Saatgut 01

Siebzehn gut gereifte “Tollkirschen” (Atropa belladonna)

Von Osterode ausgehend, bis hin nach Thale wandere ich ca. 110 km durch den Harz, überquere den "Brocken" und gelange auf meinem Weg an Stellen deren Flurnamen mich an die "Hexenverfolgungen" des Mittelalters gemahnen. Ich verweile an diesen Orten und gedenke der Menschen, meistens Frauen, die früh schon über besondere Kenntnisse der Geburts- und Naturheilkunde verfügten und dafür von Volk und Klerus des "Heidentums", "Des Teufels" bezichtigt, denunziert, gedemütigt durch die Idiologien fanatischer Fundamentalisten, verfolgt, erbarmungslos gefoltert und über-wiegend auf den "Scheiterhaufen" öffentlich verbrannt wurden.

Während meiner Etappen hinterlasse ich "Saatgut", ein selbst gesammeltes Samengemisch in den Böden dieses nördlichsten Mittelgebirges, bestehend aus drei uns bekannten "Hexenkräutern": Tollkirsche (Atropa belladonna), Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) und Bilsenkraut (Hyoscyamus niger). Ich säe mein "Saatgut" an Orten, deren Flurnamen mit Frauennamen einhergehen, oder mit ihnen assoziert werden können. Ob meine Saat noch keimt ist ungewiss, das Jahr war schon spät. Sollte sie im kommenden Frühjahr “aufgehen”, gedeihen, so könnte sie sinnbildlich, in botanischer Form, als lebendiges "Kraut" an die Orte und an diese mutigen Frauen und Begebenheiten erinnern.

Bei jeder Pflanzung besinne ich mich unserer kulturellen und religiösen "Freyheit", an die Leiden der Geknechteten, an die "Hexen" und somit an die ersten "Ärztinnen" schon zwei Jahrhunderte vor einem “Mannsbild”, lange vor Paracelsus. So verrichte ich siebzehn Pflanzungen und verbringe siebzehn "Schweigeminuten" während meines Weges, an diesen Plätzen, deren Geschichten und Schicksale ich nur erahnen kann. Beim Weitergehen dann, atme ich kräftig durch.



"In der Tat, wenn man die obere Hälfte des Brockens besteigt, kann man sich nicht erwehren, an die ergötzlichen Blocks- berggeschichten zu denken, und besonders an die große, mystische, deutsche Nationaltragödie vom Doktor Faust. Mir war immer, als ob der Pferdefuß neben mir hinaufkletterte und jemand humoristisch Atem schöpfe. Und ich glaube, auch Mephisto muss mit Mühe Atem holen, wenn er seinen Lieblingsberg ersteigt; es ist ein äußerst erschöpfender Weg, und ich war froh, als ich endlich das langersehnte Brockenhaus zu Gesicht bekam."
Aus: Heinrich Heine . “Die Harzreise” . 1824 . (Seite 50 . Reclam, ISBN 978-3-15-002221-4)

“Die Menge macht das Gift.” . ”Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.“ . Philippus Theophrastus Paracelsus . 1493 - 1541

Fotografien / Standorte

“Hexensattel”

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Einblattholzschnitt zu einer “Hexenverbrennung” am 1. Okt. 1555 in Derenburg am Harz . Flugblatt mit Text, in Nürnberg von Jörg Merckel gedruckt

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”Die Walpurgisnacht” . Michael Herr . 1650 . Kupferstich . © Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

DADA / JUHU . August 2016 bis XXXX

DADA JUHU 01

"Juhu": Ausruf der Freude, des Jubels, Aussprache: [juˈhuː] (Quelle: Duden online)

"JUHU" ist ein Ausdruck einer spontanen Freude, den ich relativ oft in Mails hinterlasse, häufig fungiert er auch als Abschiedsgruß. Er kann auch als JUbiläum EinHUndert gelesen werden.

Im Laufe der Zeit wurde mir der Begriff abstrakt, so wie mir der Begriff "DADA" über die Jahre immer abstrakter wurde. Um die beiden Begriffe ins Absurde zu steigern lag es nahe, diese grafisch zu vereinen.

In Zürich wird in diesem Jahr, die Gründung des Dadaismus, im "Club Voltaire" gefeiert. Während einer Reise wollte ich im Zentrum von Zürich und in weiterer Umgebung 100 Schilder hinterlassen, mit den sich verbindenden Begriffen DADA und JUHU. Die 100 Schilder stehen für 100 Jahre Dadaismus, 1916 bis 2016.

Ich konnte nicht alle anbringen, unvorhersehbare Umstände verhinderten meine Absicht. Ich werde die übrigen Schilder an Freunde weiterreichen und darum bitten, diese individuell in ihrer eigenen Umgebung zu hinterlassen. DADA existiert mit den Menschen, die DADA wahrnehmen und verbreiten.

DADA lebt! JUHU!

 

"So stellten sich 1913 Welt und Gesellschaft dar: Das Leben ist völlig verstrickt und gekettet. Eine Art Wirtschaftsfatalismus herrscht und weist jedem Einzelnen, mag er sich sträuben oder nicht, eine bestimmte Funktion und damit ein Interesse und seinen Charakter an. … Gibt es irgendwo eine Macht, stark und vor allem lebendig genug, diesen Zustand aufzuheben?"
Hugo Ball in “Die Flucht aus der Zeit”, 1927 . Mitbegründer des "Dadaismus" . 1886 - 1927

"Dada war schon da, bevor Dada da war." oder "Bevor Dada da war, war, Dada da" oder "Dada war schon da, bevor.../ reißt ab". Verschiedene Verfasser

Fotografien / Standorte

Fotografien extern / Standorte

Ursonate / Kurt Schwitters

Ursonate / Text

Das erste dadaistische Manifest 1916

Dadaistisches Manifest 1918

“Cabaret Voltaire”

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DADA JUHU 02

er setzt in (Ersetzt in) . Konzept und Realisation mit Michael Buchholtz . Januar bis Juli 2016

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Ein Gärtner entnimmt Pflanzen, das ist außergewöhnlich. Ein Gärtner fügt hinzu, so sind wir es gewohnt. Michael Buchholtz entnimmt stark wuchernde Arten und "Neophythen", um anderen vorhandenen Pflanzen neuen Lebensraum zu verschaffen. Er entnimmt, er pflanzt nichts Gezüchtetes, keine neuen Setzlinge und Triebe, er füllt die Brachflächen nicht auf mit käuflichen "Erzeugnissen" aus Gärtnereien und Pflanzenfabriken. Damit verschafft er den verbliebenen Pflanzen eine neue Existenzgrundlage. Er ist kein Gärtner im klassischen Sinne, er greift lediglich ein, sanft, entfernt überlegend und erhaltend, erzeugt Freiraum und damit Licht, unterstützt das Vorhandene und Wesentliche, das ursprünglich Gewachsene, die ursprünglichen Gewächse.

Auch dadurch kann ein "Park" entstehen. Ein Park entsteht immer durch die Korrekturen des Menschen in der Natur. Buchholtz entnimmt bei unserem Projekt ausschließlich.

Er schreibt dazu: "Auf einer Felswand entlang des Kunstweges haben sich Pflanzen angesiedelt. Der Gärtner möchte die Natur gestalten und entfernt unerwünschte Pflanzenarten. Dadurch wird eine neue Entwicklung in Gang gebracht, die Natur besetzt die Lücken. Der Gärtner wählt aus diesem Angebot erneut aus. Die Gegebenheiten des Ortes sowie natürliche Prozesse prägen das Bild stärker als die Intention des Gärtners. Es entsteht ein Landschaftsgarten, der sich kaum als solcher zu erkennen gibt. Wie ein Landschaftsgemälde der Romantik bildet das Ergebnis eine Idealvorstellung ab und nicht die reale Natur."

Die Interventionen von Michael Buchholtz finden auf einem relativ kleinen Areal statt, 300 qm vielleicht und dennoch wird dieses Areal zu einem Park der entfernten Pflanzen, vielleicht auch erst über die Jahre, zumindest solange er subtra-hierend und korrigierend eingreift. Dieses Areal, in fast nicht zu kontrollierender, umgebender Natur, wird somit zur biologischen, oder floralen "Ausstellungsfläche". Er hat an diesem "Areal der Entfernung" über Monate behutsam gearbeitet.

Mein Beitrag ist dezent, so wie die Eingriffe von Buchholtz. Ich füge nur einige Schilder hinzu, mit den Namen der mir von Buchholtz genannten Pflanzen. Schilder, auf welchen die deutschen und  lateinischen Namen der entfernten und der zu erhaltenen Pflanzen eingraviert sind, gemäß der erklärenden Situation in botanischen Gärten.

In einem botanischen Garten werden vorhandene, lange “gehegte”, oft tropische Pflanzen präsentiert. Hier werden zwei Spezies, die beide als einheimisch gelten ausgewiesen, die Spezies die von ihm entfernt wurden und jenen Spezies denen er damit ihren einheimischen Raum und Umgebung wiedergegeben hat.

Die Eingriffe von Buchholtz sind subjektiv, damit werden sie zu einer eigenen Arbeit. Wir wurden gebeten eine gemeinschaftliche Arbeit zu konzipieren. Ich möchte also keineswegs autonom vorgehen, kein Objekt in "Seiner Landschaft" platzieren und damit seine Interventionen stören, ich will lediglich beitragen und seinem Konzept ein eigenes Konzept hinzufügen.

Inbesondere geht es mir um den Begriff "Ersetzen", der auch den Begriff "Setzen" in sich trägt. Ich sehe somit die letztendlich belassene Vegetation als Neusetzung. "Neusetzung" oder "Ersetzt in“ ergibt auch die Wortkombination: "er - setzt - in", nur diese drei Begriffe und die Namen der Pflanzen füge ich der Arbeit von Buchholtz in Form von Schildern hinzu. Die Inschriften der Schilder bezeichnen die Namen der von ihm entfernten und der von ihm damit erhaltenen, befreiten, "ersetzten",  die durch seinen Eingriff zu neuem Wachstum angeregten Pflanzen.

Die von mir gesetzten Schilder tragen dazu bei, die vom Publikum vielleicht kaum bemerkbaren Eingriffe in die Prozesse der Natur als solche wahrzunehmen und das von Buchholtz modifizierte Areal und deren Veränderungen als Kunstkontext zu sehen und zu verstehen.

Wenn man die durch Michael Buchholtz vorgenommenen Entnahmen als "Zurückgeführte", als "Neue", oder auch "Ideale Landschaften", als ein "Romantisches Landschaftsbild" versteht, so kann man die von mir ausgebrachten Schilder auch als jene Bezeichnungen interpretieren, die oftmals bei "Alten Meistern" auf den Bilderrahmen zur Betitelung angebracht sind.

Die Arbeit wurde für den “Kunstweg am Reichenbach” konzipiert.

Fotografien / Standorte

blog / Michael Buchholtz

“Kunstweg am Reichenbach”

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Souvenir de Mortefontaine” . Jean-Baptiste Camille Corot . 1864 . Öl auf Leinwand . 65 x 89 cm . Louvre, Paris (Ideallandschaft 1)

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“Fürst Pückler Park in Muskau bei Görlitz” . Ansicht II von 1834 . Kupferstich . Keine Angaben zum Urheber auffindbar  (Ideallandschaft 2)

Definitiv relativer Standort in Landschaft . Konzept und Realisation mit Sigrid Perthen . Januar bis Juli 2016

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Ein Standort ist relativ. Ein Standort ist zunächst fixiert auf feststehende Koordinaten. Diese Koordinaten verhalten sich jedoch relativ zu Raum und Zeit und müssen beständig neu erfasst und korrigiert werden, ein Standort ist also kein Standort. Ein Standort bewegt sich. Die Berechnung eines Standorts muss mit jeder Erdumdrehung und den damit verbundenen Abweichungen, täglich neu erfasst und korrigiert werden. Ein Standort existiert nur innerhalb der berechneten Zeit und weicht von seinem Ort, von seinem scheinbaren Standort beständig um Millisekunden ab. Ein Standort ist also definitiv relativ.

Eine definitive Standortbestimmung scheint von daher fraglich.

Wir entnehmen dem Reichentalbach ZEHN Steine, jeder wählt fünf aus, jeder bestimmt fünf Stellen der Entnahme nach persönlichen Entscheidungen, wir wählen nach Gefühl, Situation, Entfernung, nach Landschaft. Die Steine geben ihren Standort vor. Wir reduzieren unsere Auswahl auf Schwarzwälder Sandstein, dieser ist im Bach in der Minderheit und nur vereinzelt zwischen Granit zu finden.

Die Zahl ZEHN (10), besteht aus den Ziffern eins und null, daraus besteht der digitale Urcode, der Binärcode, die Grundlage von GPS. Ohne diese zwei Zahlen wäre GPS niemals möglich gewesen und damit auch keine relative Standortbestimmung. Diese Zahl beinhaltet auch den Begriff "ZEN" und dieser ist noch bemerkenswert analog. (zɛn, auch tsɛn) Quelle: Wikipedia

Jeder Stein wird bei der Entnahme mit seinen exakten GPS Koordinaten, seiner exakten Lage im Raum erfasst. Diese Da-ten werden festgehalten, die Stelle markiert. Die entnommenen Steine werden mit ihren GPS-Koordinaten versehen (sand-gestrahlt) und werden, möglichst exakt in ihre ehemalige Lage in den Bach zurückversetzt.

Scheinbar hat sich nichts geändert. Tatsächlich hat sich in der Zeit ihrer Entnahme viel verändert, das Bachbett hat sich verändert, die Vegetation hat sich verändert, das Weltgeschehen hat sich verändert, unser Leben hat sich verändert, es hat mit Zeit und somit auch mit unserer Vergänglichkeit zu tun.

Unsere Steine werden sich bewegen. Diese Bewegung ist abhängig von der Wassermenge, den Strömungen, der Fließ-geschwindigkeit, dem Gewicht der ausgewählten Steine, dem Reibungswiderstand des Untergrundes und möglichen Hindernissen. Eine Formel zur Berechnung ihrer denkbaren Bewegung scheint es nicht zu geben. Ihre Bewegung ist also relativ, so relativ wie ihr Standort.

"... ( = der Bach und die systemimmanenten Abläufe) Voré

Wir könnten versuchen, die Veränderung der Standorte nach unserer Rückgabe der Steine nachzuvollziehen. Wir könnten versuchen in regelmäßigen Zeitabständen unsere markierten Steine zu besuchen, sie zu suchen. Wir könnten ihre veränderten Koordinaten feststellen und damit ihre neuen Standorte bestimmen.

Das wollen wir nicht, wir wollen nicht nachvollziehen, kontrollieren, wo sie sind, wie sie sich bewegen, wir wollen keine Statistiken und Landkarten, keine Diagramme und Prognosen erstellen. So wie mittels GPS und Internet, Statistiken über die Bewegungsmuster von Menschen, ihre Metadaten erfasst, gespeichert und eine Definition über sie erstellt  werden. Die Bewegungen von “Homo Sapiens” und den Steinen sollen frei bleiben und damit relativ.

Wir wollen den markierten Steinen ihre unendliche Zeit und ihre unkontrollierte Freiheit lassen, ihre eigene Zeit. Die markierten GPS-Daten werden verschwinden, mit jeder reibenden Bewegung werden die Steine kleiner werden. Sie werden irgendwann als Sand an einer Insel angespült werden, das aber ist lange nach unserer Zeit und Intervention.

Wir wollen nichts Sichtbares hinterlassen. Es ist ein kaum merklicher Eingriff in die natürlichen Abläufe. Unsere kleinen Änderungen regeln und steuern letztendlich die Zeit und die Natur. Definitiv!

Die Arbeit wurde für den “Kunstweg am Reichenbach” konzipiert.


“Scheinbar hat sich nichts verändert, dennoch aber viel.” Klaus Heider 2003 - 2006

Ich danke “b-werbung” für die Schriftfolie und für das Sandstrahlen der Steine

Fotografien / Standorte: Versenkungen

Fotografien / Landschaft

“Kunstweg am Reichenbach”

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"Waldlandschaft” . Heinrich Böhmer . 1852 - 1930 . Öl auf Leinwand . 96 x 188 cm . Verbleib und Entstehungsjahr unbekannt

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Stein . Mauern . Grenzen . "Sisyphos" . Juni 2016

Sysiphos 01

Irland (ˈɪʁlant); irisch Éire (ˈːʲəer) ist überzogen von Mauern, von Menschenhand Stein um Stein aufgeschichteter Mauern, es müssen viele Generationen, bis in unsere Gegenwart hinein daran gearbeitet haben. Sie dienten zum Schutz vor Erosion und zur Feldbegrenzung, wurden zu Grenzen, zu Territorien. Ich stelle mir vor, dass sie sich in ihrer Summe hunderttausende Kilometer durch die Landschaften ziehen, es müssen Millionen von Steinen sein, die bewegt wurden. Die ältesten Mauern, ausgegraben in den "Céide Fields", sind vor fast 6000 Jahren errichtet worden und sind damit älter als das englische "Stonehenge": "Céide Fields" (irish: Achaidh Chéide, "Felder des abgeflachten Hügels")

Ich wandere an ihnen entlang, über Tage, sie erinnern mich an die Strapazen der Vergangenheit, an das arme Leben der vergangenen Jahrhunderte und an die Hungersnöte ("Hunger-Mauern"), die dieses Land heimsuchten. Diese Mauern sind mir ständige Begleitung, sie zerteilen das Land in Parzellen, sie stellen sich quer und säumen sich entlang der Wege. Oft ist nicht mehr nachvollziehbar, wohin sie reichen, was sie wollen, Horizonte schneiden sie ab. Sie teilen sich, sie trennen sich, sie zerfallen. Sie treffen sich wieder, werden schlüssig, irgendwo im Raum. Sie winden sich über Bergkämme und verlieren sich in der Ferne. Ich denke an die vielen Generationen, die sie errichteten.

So wird dieses Land zu einer einzigartigen Unterteilung in Flächen, zur Parzellierung der Formen, die Hochebenen werden zu geometrischen Mustern, zu Rechtecken, Vielecken, Kreisen und Schnitten. Die meisten dieser jahrhunderte alten Mau-ern erfüllen keinen gegenwärtigen Zweck, sie stehen im Raum, sind Überreste getaner Arbeit. Ich sehe sie als land-schaftsübergreifende Objekte, als nicht bewusst erschaffene Skulpturen. Die einst erstellten Mauern sind für mich zum Objekt in der Landschaft, zum Kunstwerk, zur frühesten Form der “landart” geworden, sie haben das Land abstrahiert. In ihrer Gesamtkonzeption erinnern sie an Gemälde des frühen Kubismus.

Am ersten Tag der Wanderung entnehme ich aus einer Mauer den ersten Stein, den ich in meinem Rucksack mit mir führe. Ich entscheide mich bewußt für diese körperliche "Last", weit aus mehr Last muss es für die Menschen bedeutet haben, die diese Mauern erbauten.

Ich trage diese Last freiwillig, sie erinnert mich an "Sisyphos" und an seine aussichtslose Arbeit und an jene, die diese Mauern nicht ganz aussichtslos erschaffen haben. Nach einigen Kilometern tausche ich ihn aus, entnehme einen weiteren Stein einer weiteren Mauer und ersetze die Lücke durch den von mir getragenen Stein. Auf den folgenden 100 Kilometern, tausche ich in fünftägiger Wanderung 19 Steine aus, ich trage sie über die komplette Strecke. So werden sie mit jeden gegangenem Meter zum sich fortpflanzenden Element, zum Symbol der Arbeit, der uns vorangegangenen Generationen und ihrer damit verbundenen Strapazen. Viele sind jung und namenlos daran verstorben.

Ich tausche bereits vorhandene, durch menschliche Hand erschaffene Schichtungen aus und erschaffe dadurch eine durch mich modifizierte Schichtung. Ich greife nur minimal ein, in eine jahrhundertealte gewachsene, erschaffene Kultur. Ich nehme einen kaum erkennbaren Eingriff vor, ich füge nichts hinzu, ich schichte nur einige Steine um, gebe ihnen einen neuen Raum. Ich frage mich, wie viel Jahre, Jahrhunderte diese Steine an diesem Ort gelegen sind, bevor ich ihre Position verändere.

Meine Änderungen haben nichts sichtbares hinterlassen, ich habe lediglich Steine an einen anderen, spontan gewählten Ort verlegt. Sie vermischen sich mit der langen Geschichte und Arbeit unserer Vorgänger und den von mir gegangenen Kilometern in unserer Gegenwart.

Ich danke Sylvia Mehlbeer, die mit mir über fünf Tage 100 Kilometer am Atlantik und im Landesinneren diese Wege entlang der Mauern gegangen ist und unsere Vorstellungen an die Erbauer und ihrer Lebenszeit mit mir geteilt hat.


"Praktisch ist quasi nichts zu sehen, denkbar aber schon." Klaus Heider, ca. 2003 - 2005

"Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." Albert Camus

Fotografien / Auswechslungen

Fotografien / Mauern

Sysiphos 02

"Sisyphos” (Ausschnitt) . Tizian . 1548 - 1549 . Öl auf Leinwand . 216 x 237 cm . Museo del Prado, Madrid, Spanien

Den Sauerstoff den ich geatmet habe, gebe ich zurück . 2010 bis Juni 2016 (Juni 2017)

Sauerstoff 01

Seit Jahren gedeihen sieben Walnusssprössslinge (Juglans regia) in meiner "Obhut". Kaum "erwachsen" entnahm ich sie verschiedenen Gärten, manche sind an mich weiter gereicht worden. Ich zog sie auf. Der eine oder andere hatte kaum den Keimlingsstatus hinter sich gelassen. Nun sind sie stabil und "groß genug" um ausgesetzt, entlassen zu werden in die "Wildnis". Sie sollen zu veritablen Bäumen, für uns zu Sauerstoffspendern heranwachsen.

Sauerstoff (auch Oxygenium genannt; von griechisch ὀξύς ‚oxys‘ „scharf, spitz, sauer“ und γεννάω‚ gen-‘ „erzeugen, ge-bδren“) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol O. Quelle: wikipedia

Das Volumen eines Atemzuges beträgt etwa 10 ml pro kg Körpergewicht, also bei 75 kg etwa 750 ml. Die Atemfrequenz beträgt in Ruhe etwa 12 bis 16 Atemzüge pro Minute. Also atmet ein 75 kg schwerer Mensch etwa 10 bis 12 l Luft pro Minute ein (und auch wieder aus). Hierbei handelt es sich um grobe Richtwerte, die sehr, sehr stark variieren können, je nach Konstitution, Gesundheitszustand und Belastung.

Ein einzelner Baum produziert pro Stunde bis zu 1200 Liter Sauerstoff. Oder anders gerechnet: Während seiner Wachs-tumsperiode im Sommer produziert er die Atemluft für zehn Menschen. Q: www.planet-wissen.de/natur/pflanzen/baeume/index.html

Diese sieben, eines Tages vielleicht ausgewachsenen Bäume, produzieren im Sommer also per Tag 201 800 Liter dieses "Gases", das uns am Leben erhält. Per Jahr während ihrer Grünphase, auf 200 Tage gerundet, sind dies 40 320 000 Liter "Oxygenium". Das ist doch eine bemerkenswerte Zahl und für uns ein "Gutes Geschäft"!

Laut der "Bundeswaldinventur 2014" stehen in Deutschland über 90 Milliarden Bäume, die fast unentwegt Sauerstoff pro-duzieren. Das heißt, die Bäume in unserem Land entwickeln für uns pro Tag: 2 592 000 000 000 000, oder in ihrer Wachs-tumsphase per Jahr 5,184e+17 Liter "Oxygenium". Das ist doch eine noch bemerkenswertere Zahl und für uns ein noch besseres Geschäft. Es soll ein gutes “Geschäftsjahr” werden!

Ich bitte sechs Menschen, die Resultate meiner "Zucht" zu pflanzen, jeder bekommt einen Sprössling. Ich wähle die Pflanzer nach der Länge der Wanderungen aus, über die weiten Strecken, die ich mit ihnen unternommen habe und damit auch nach der Lebenszeit, die ich mit ihnen im "Gehen und Reden" verbracht habe. "Reden im Gehen" bergauf, verbraucht viel Sauerstoff, mehr Sauerstoff als normal, darum gebe ich diesen nun wieder zurück.

Wanderungen haben immer mit Bäumen zu tun, die auf diesen von den Wandernden mehr oder weniger wahrgenommen werden. Wir bewegen uns an ihnen entlang, durch sie hindurch, steigen über die Gefallenen, die Gefällten und ihre Wurzeln hinweg. Wir sehen wie sie zerfallen und wie sich aus ihnen neuer Humus bildet. Wir treffen auf sie in all ihren Aggregatzuständen, von tief gefroren, grünes Chlorophyll erzeugend bis farbig vertrocknend. Wir bedienen uns ihrer Früchte, wir benutzen sie bis hin zum Brennstoff. Sie sind für uns Gewohnheit, sind Beiwerk, sind uns Selbstverständnis, sie sind ein Teil des Marktes geworden. Sie trösten und beruhigen uns, wir ruhen uns in ihren Schatten aus, sie wurden uns zur “Poesie”, zum Lied, zum Bildnis. Sie hinterlassen keinerlei Müll, wir leben mit ihnen in einer perfekten Symbiose. Sie reinigen unsere Luft und sie geben uns den Sauerstoff zurück, den wir geatmet haben, sie hinterlassen uns ihren Ertrag. Dafür hinterlasse ich selbst den siebten Baum, er wird mein Leben wahrscheinlich überdauern, ich nehme, er gibt.

Ich bitte die Wanderer, dass sie einen eigenen, geeigneten Platz für "Ihren” Baum erkunden. Es soll ein persönlicher Ort, ein ausgesuchter, ein Ort in ihrem Sinne sein.

"Wachse, wirke, werde", ein Postulat von Bruno Nagel. An jedem Baum wird ein mit seinen Worten, von ihm beschrifteter Pflock hinterlassen, er gibt dem Sprössling den nötigen Halt.

Diese Aktion kann nachgeahmt, zum gemeinsamen Sauerstofferhalt ergänzt oder “kopiert” werden. Wer einen Sprössling bekommen und sich beteiligen will, melde sich, ich werde weiterhin ebensolche "züchten" und "zur Verfügung" stellen.

Ich danke den Pflanzern: Konstantin Bressmer, Alfons Forster, Sylvia Mehlbeer, Bruno Nagel, Sigrid Perthen und Markus Simon

"Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht; ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."
Martin Luther . 1483-1546

Fotografien / Sieben Portraits

Fotografien / Standorte: Pflanzungen

Arbeitsanweisung

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Wahl . Mahl . Wetter . Glück . (Ein Plädoyer für “Freie Meinungsäußerung” und “Demokratie”) . März 2016

"Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung." .  (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 19)

“Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.” .  (Artikel 5 des Deutschen Grundgesetzes, Absatz 1)

“Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei...” . (Artikel 5 des Deutschen Grundgesetzes, Absatz 3)

Wahl 01

Es ist wieder “Wahltag”, so wie es wieder Frühjahr geworden ist, wie immer. Ich gehe hin, wie immer, seit fast 35 Jahren, mein Wahlraum ist in einer Schule. Ich bekomme eine amtliche Aufforderung zur Wahl, mittels eines Schreibens von meiner Heimatgemeinde. Ich finde mich ein, am 13. März des Jahres 2016, um ca. 14.00 Uhr, in der "Haierschule", 73035 Faurndau, im Akazienweg 4, Bezirk 54. Meine Wahlbezirksnummer lautet 110-54, meine Wählernummer ist die 096, der Absender zur Aufforderung ist eine Stadt, 73033 Göppingen, Hauptstraße 1, Rathaus.

Mein Wahlraum ist "Rollstuhlgerecht", also ebenerdig, ich muss mich nicht anstrengen, ich muss mich nur bewegen, vor-wärts, immer voran, ich bekomme keine Atemnot. Ich muss nur den mir zugesandten amtlichen Wahlausweis und meinen Personalausweis bereithalten, der nicht verlangt wird, er trägt die Nummer: L7CL04JTY. Die "Diensthabenden" sind freund-lich, ich werde begrüßt, registriert und auf einer Liste handschriftlich abgehakt. Diese Liste ist noch immer nicht digitalisiert, ich werde analog geführt. Ich bin am 07. 02. 1964 geboren, ich bin also ein Kind des Analogzeitalters, die Wahlprognosen werden mir allerdings digital aufbereitet. Mein Kühlschrank war immer voll, das ist großes Glück. Ich muss nur ein Kreuz auf einem vorgefertigten Papier hinterlassen. Das ist alles.

Die "Möglichkeit" einer Wahl, zu einer Wahl zu gehen, eine Wahl zu haben, auswählen zu können, unter verschiedenen Parteien, ist mir "heilig", diese Chance finde ich nur in wirklichen Demokratien. Ich kann die Partei meiner Wahl bestimmen, kann meine Partei kritisieren und ich kann meine Partei abwählen, ich muss nicht wählen. Diese Möglichkeit gibt uns das Grundgesetz, mit dem ich sozialisiert worden bin. Wir haben das "Allgemeine Wahlrecht" und Artikel 5 sagt aus: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten...." Das ist genial und ist großes Glück!

Ich begebe mich auf den Weg. Das Wetter ist trüb, zwischen Wolken bricht noch vereinzelt die Sonne hindurch, Durch-schnittswetter ist angekündigt. Eine Deutschlandflagge über einem Betonschulhof weht müde, obwohl der Wind kalt auf-frischt. Es ist ein durchschnittlicher Märztag des Jahres 2016, ein Sonntag, der Wahlsonntag. Aus der Entfernung betrachtet liegen auf der Hochfläche der Alb noch sichtbare Schneereste. Morgen wieder arbeiten, ich werde auch nach diesem X-ten Wahltag, pünktlich sein und funktionieren, wie immer.

Ich trage eine Kartoffel mit mir, eine Knolle, die Bruno Nagel im vergangenen Jahr auf einer gemeinsamen Wanderung von einem Feld, einer Scholle entnahm. Der Bauer war zugegen und duldete den kleinen Verlust. Es war Spätsommer, die Szene spielte in “Blaubeuren”, einem beschaulichen Ort in Süddeutschland, direkt unterhalb des "Geißenklösterles", einer Vorzeithöhle, in der unsere Vorfahren noch keine Kartoffeln kannten und wohl auch nicht den Begriff der "Wahl".

Der Himmel war fast wolkenlos, zum Mittag hin wurde es heiß, heftige Gewitter waren angekündigt. Aufgezogen ist keines, der Tag verlief völlig undramatisch. Abends dann schattiger Wind, ein Wein in der Nähe des "Blautopfes". Bruno überließ mir die Kartoffel. Seitdem ist fast ein halbes Jahr vergangen. Sie hatte auf meinem Küchentisch im Licht liegend, genügend Zeit zu keimen, sie hat sich zu einem “Prachtexemplar” entwickelt.

So spontan, wie ich sie mitnahm, lasse ich sie in der Wahlkabine liegen. Die Kartoffel war und ist uns Nahrungsgrundlage. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis die Obrigkeit die Macht der Knolle "als für sie nützlich" verstand. Friedrich II erließ die "Kartoffelbefehle", einen davon am 05. April 1757: „Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, daß die darauf verwendete Mühe sehr gut belohnt wird..."

Der Erfolg der Kartoffel trug vielleicht auch zum Erfolg der sich bildenden Demokratien bei. Mit einem vollen Bauch wählt es sich besser. Für dieses Glück, in einer Demokratie zu leben und das Recht auf "freie Meinungsäußerung" zu haben, gebe ich eine Kartoffel symbolisch zurück. Ich gehe zur Wahl und lasse sie in meiner Kabine. Ihre kräftigen, dunkelgrünen Keime sind fast wie eine Blüte, sie ist bereit sich zu vervielfältigen, ich lasse sie ungern zurück.

Ich stelle mir vor, dass jemand meine Knolle findet, meine Vorstellung der Demokratie mitnimmt und dass dieser austreib-ende Keim verpflanzt wird und dem Finder im Sommer zu einem ordentlichen Mahl werden wird.

Ich hoffe auf ergiebige Niederschläge und günstige Wärmeperioden, nur so würde dem Pflanzer sein Teller voll. Eine “Langzeitwettervorhersage" ist derzeit noch nicht aussagekräftig, die politische Zukunft unseres Landes nicht absehbar.

Ich wähle auch dieses Jahr wieder eine demokratische Partei, also die unbedingte Demokratie, so wie immer. Unsere Demokratie basiert auf den Artikeln des "Deutschen Grundgesetzes”: Artikel 1, "Die Würde des Menschen ist unantastbar".

Auch das ist genial und großes Glück!

Zur Demokratie / “Keine Ahnung, nie gehört”

Wahl 02
Wahl 04

"Die Schule von Athen" (La scuola di Atene) . Raffael . 1510 - 1511 . Fresko . 7,70 m . Stanza della Segnatura, Vatikan

“Cepaea nemoralis” oder “Cepaea hortensis” . (Ein Aufruf) . Januar 2016

Hainbänderschnecke 03

Bitte sammelt für mich die verlassenen Gehäuse der Hain- oder Gartenbänderschnecke. Ihr findet sie in Gärten und Parkanlagen, aber auch in lichten Wäldern, Gebüschen, Heckenreihen, bevorzugt unter hängenden und kriechenden Gewächsen. Sammelt immer wieder, während euren Spaziergängen, Wanderungen und Gartenarbeiten, über das Jahr, über die Jahre hinweg. Sie liegen an euren Wegen, ihr werdet ein Gespür dafür entwickeln, sie zu entdecken. Richtet eure Aufmerksamkeit auf dieses scheinbar unwichtige Objekt, es ist eine Gattung, die mit uns gemeinsam lebt und sich wunderschöne Paläste baut. Sammelt sie auf, wie reife Früchte, auch die “Schäbigen” und die “Gebrochenen”, füllt eure Taschen und schickt sie an mich, ich benötige viele, sehr viele, mindestens eintausend Exemplare. Vielleicht gelingt mir ein Objekt daraus, an dem ihr euch durch eure Zusendung beteiligt und namentlich erwähnt werdet. Beschäftigt euch mit dem minimalen Unterschied zwischen "Cepaea nemoralis" und "Cepaea hortensis". Es ist eine kleine, elegante, sehr gut gelungene Abweichung, die von der Evolution geschaffen wurde. Haltet eure Augen immer offen, es lohnt!

Bänderschnecke 01

Zeitraum (X) . Konzept und Realisation mit Voré . Oktober 2015

Zeitraum 01

Torso (Fragment) . Voré . 2015 . Baumberger Sandstein . ca. 45 × 60 × 25 cm . Auf dem Grund des Bodensees verbleibend . 88079 Kressbronn

Anfang dieses Jahres begannen wir, uns Sätze, Inhalte, Zitate und Meinungen zum großen Thema "Zeit" zuzuspielen, um sie, die Zeit, in all ihren Nuancen zu "erwischen" und zu bedenken. Der Impuls hierzu war eine spontane Mail an Voré, ver-sendet am 29.12.2014, um 04.18 Uhr. Genau so spontan antwortete er, drei Tage später, um 07.58 Uhr. 2015 sagte er zu, wir kannten uns kaum. Es gab keinen Vorlauf, kein Treffen, keine Unterhaltung, keinen Prozess, wir entwarfen kein Konzept. Das Konzept war unsere Konzeptionslosigkeit.

Zunächst zu zweit, luden wir Mitschreiber ein. Ich protokollierte über Wochen, die Namen, das Datum, die Uhrzeit der ein-treffenden Statements. Es wurde eine Sammlung zur Zeit: "Eine Stichwortsammlung zur: "Zeit", vielleicht wird uns eine ge-meinsame Arbeit daraus, oder sie endet nur in einem Wort..." (Voré).

Das Protokoll verlor sich, das Thema war zu groß und zu weit, die Schreiber verloren sich, verloren sich in der Zeit. Einiges wurde geschrieben und gesagt. Vielleicht sollte das "Reden über die Zeit" sprachlos bleiben. So wurde das Protokoll "im Laufe der Zeit", der Monate zu einem leeren, weißen Blatt Papier, das ist maßlose, denn unendliche Zeit.

Am 25.09.2015 beenden wir unser Projekt, so spontan wie wir begannen, der Tag ist absichtslos gewählt. Wir hinterlassen zwei Artefakte im Bodensee, der zweiten Heimat von Voré, zwei Objekte, die für uns den Inhalt der Aktion spiegeln.

Voré wählt einen Ausschnitt, ein Detail seiner Arbeit, ein von ihm bearbeitetes Stück "Baumberger Sandstein", einen nur zum Teil beschlagenen, nicht vollendeten Torso. Ein Fragment seiner Kunst, als Fragment in einem von ihm bestimmten Zeitpunkt X als solches belassen.

Er schreibt dazu:
"Z~~t versinkt. Im "Non-finito" kippt das davor in das danach. Im Kopf stülpt sich die wirklich für Entwurf und Arbeit am Stein genutzte Zeit über die zu einer visionären Vollendung gebrauchten. Beim Entschluss, die Skulptur JETZT  zu beenden, bleiben Wunden am Fragment, und die Zeit steht für sie still. Der Transport zum Wasser und das hineinwaten sind meine Sache. Ich lasse los zum Grund. Und andere Zeit heilt Wunden."

Ich entscheide mich für eine “Solnhofer-Platte”, ca. 146 Mio. Jahre alt und wähle den DAX vom 06.08.2015, der an diesem Tag mit 11585 Punkten angegeben wird. Ich verweise so auf drei völlig verschiedene Zeitspannen: Auf ein längst vergang-enes Erdzeitalter, dem Thitonium. Das Datum des 06.08.2015 ist auch der 70. Jahrestag eines bedeutenden Ereignisses des vergangenen Jahrhunderts oder Jahrtausends. Der DAX steht für die kaum noch nochvollziehbare Millisekundenzeit der Geldtransfers oder der massenhaften Informationen, die uns täglich erreichen.

Diese Platte verkörpert auch die Versteinerung eines Fisches: "Leptolepides sprattiformis", aus der Gattung der echten Knochenfische (Teleostei). So sinkt die Versteinerung eines damaligen Wasserwesens, ca. 145 Millionen Jahre nach seinem Leben, im Jahr 2015 erneut zum Grund eines Sees und wird somit zur Versteinerung einer Versteinerung.

Wir sehen unsere Hinterlassenschaften als Aspekt unseres Lebens, unserer Arbeit, als eine Geste, als Reflexion auf unsere eigene kurze Spanne innerhalb der Zeit.

Wir haben den Objekten einen Raum gegeben, nicht tief unter Wasser, sichtbar vom Ufer aus, liegen sie auf Grund, auf süddeutschem Jura. Unsere Blicke gelten auch den Facetten der Sonne, den Wasserspiegelungen, die sich unaufhörlich tanzend auf ihnen abzeichnen, bevor sie sich irgendwann farblich den Steinen und dem Seegrund anpassen und zu trüber mit Algen behafteter Zeit-Masse werden. Unsere Objekte haben nun ihren eigenen Zeitraum (X).

Ich danke “b-werbung” für die Schriftfolie und das Sandstrahlen des Steins

Fotografien / Standorte: Zeitraum (X)

www.voré.de

Zeitraum 04
Zeitraum 02
Zeitraum 03

"Bodensee" . William Turner. 1842 . Aquarell . 30,7 × 46,4 cm . Tate Gallery, London

Am Fluss . Im Fluss . Der Fluss . Ein Fluss . September 2015

Fluss 01

Wir wandern an einem der letzten noch nicht begradigten Flüsse Europas, dem Lech, von der Quelle bis zur ersten Stau-stufe in 125 km Entfernung. Wir treffen auf ungeahnte Landschaften, Idyllen, Ausblicke und Abgründe, auf kaum zu bändi-gende Auswüchse dieses Gewässers in grandioser Alpenlandschaft. Dem Fluss wird sein freier Lauf gelassen, er macht was er will, er zeigt sich unbändig und sanft, ist friedlich und ungestüm, er ist frei, er ist sich selbst überlassen, er konnte sich selbst bleiben in seiner Natur und Eigenheit. Er präsentiert sich als großes Naturtheater in all seinen möglichen Be-leuchtungen und Betrachtungen.

Auf sechs Etappen hinterlasse ich im Fluss sechs Steine. Es sind Pflastersteine aus einem Baumarkt, das Stück zu 0,08 Euro erworben. Die "Kunst" kostet mich also lediglich 48 Cent, das ist mir diese Bemerkung wert.

Ich versehe die Kunststeine mit sechs Namen, von teilweise in Betonrinnen begradigten, zu Wasserautobahnen ausge-bauten, auf Ertrag getrimmten und damit ihrer Einzigartigkeit beraubten deutsch-europäischen Flüssen: Donau, Elbe, Neckar, Main, Rhein und Weser.

Während ich die quadratischen Betonsteine in diesem freien Gewässer hinterlasse, stelle ich mir vor, wie sie von den Strö- men, den Hochwässern des Lechs mitgerissen werden, wie sie durch die Kräfte des Wassers den Flusslauf entlang poltern, wie sie ihre Ecken und Kanten schärfen und verlieren und eine immer rundere Form annehmen. Sie passen sich den natürlich vorhandenen Steinformen an und werden vermeintlich zu Fluss- oder Kieselsteinen. Die darauf gestrahlten Flussnamen werden bald verschwunden sein, die Strömungen unablässig daran arbeiten und schleifen. So wird Baumarkt-beton durch die Wasser von Lech und Donau eines Tages wieder zu Sand, zu dem Sand, der am Rande des Schwarzen Meeres vielleicht dereinst eine neue Sandwelle formt oder eine Küstenlinie bildet. Das wird lange nach meinen Aussetzungen sein und hat mit viel, sehr viel Zeit zu tun. Damit aber bleibe ich im Fluss.

Ich danke Sylvia Mehlbeer für die sechs Tage, die sie sich Zeit nahm, mich begleitet und “durchgehalten” hat und die 125 Kilometer von der Quelle bis zum "Lechfall" in Füssen mit mir gegangen ist.



Inschriften von 8/7 v. Chr. belegen, dass der Flussname zuerst im keltischen Stammesnamen Licates (Likatier) erwähnt wird. Der Fluss selbst wird im 2. Jahrhundert als Likios bzw. Likias benannt. Um das Jahr 570 findet sich in Aufzeichnungen der Name Licca. Im 8. Jahrhundert tauchen dann Bezeichnungen wie Lecha und Lech auf. Der Begriff Licus wird aber noch im Jahr 1059 verwendet. Der Name steht in der Analogie zu dem kymrischen Wort llech („Steinplatte“) und dem bretonischen Wort lec’h („Grabstein“). In diesem Zusammenhang wird die Wortbedeutung von „Lech“ als „der Steinige“ erklärt. Quelle: Wikipedia

Ich danke “b-werbung” für die Schriftfolien und das Sandstrahlen der Steine

Fotografien / Standorte: Im Fluss

Fluss 02
Fluss 03

Zehn Höhlen . Acht Steine . (Zu Serie: Analog / Digital) . August 2015

Zehn Höhlen 01

Wir wandern in drei Tagen durch das Lonetal, über Blaubeuren durch das Blautal, in das Achtal nach Schelklingen. Wir gehen einen Weg entlang der zehn Höhlen, die durch Ausgrabungen und durch ihre steinzeitlichen Funde weltbekannt wurden. Die bekanntesten dort gefundenen Artefakte sind unter anderen die "Venus von Schelklingen", das "Urpferd" und das "Mammut". Sämtliche Artefakte sind zwischen 40.000 und 30.000 Jahre vor Christus entstanden. Es sind die ältesten dreidimensionalen Objekte der Menschheitsgeschichte. Die ältesten gefundenen Musikinstrumente, drei Flöten aus Schwanenknochen, stammen ebenfalls von hier. Die Formgebung der gefundenen Objekte entspricht weitgehend den etwa 20.000 bis 15.000 Jahre jünger datierten Malereien der 800 km entfernten Höhlen von "Lascaux" und "Chauvet". Es scheint sich immer mehr zu bestätigen, dass bereits in den Zeitaltern des "Aurignacien" und "Gravettien" kultureller Austausch über diese weite Entfernung hinweg stattfand. Die Kultur begann in den Tälern der Schwäbischen Alb.

Wir besuchen folgende Höhlen: Vogelherdhöhle, Hohlenstein, Bocksteinhöhle, Fohlenhaus, Große Grotte, Brillenhöhle, Geißenklösterle, Hohle Fels, Sirgensteinhöhle, Haldensteinhöhle.

Der Grund auf dem wir leben war vor 160 Millionen Jahren ein gewaltiges Meer, das "Jura"- oder das warme "Süddeutsche Meer". Nach langen Anhebungsprozessen wurde es zu dem Boden, zu dem "Weißen Jura", auf dem wir heute unser Dasein verbringen, auf dem wir zum Homo Sapiens wurden, unsere Kultur entwickelten und unsere Fertighäuser und Industrien bauen.

Auf ein Stück Schiefer aus diesem verfestigten Grund, habe ich ein Leiterplattenmuster sandgestrahlt. Mit diesem Abdruck unserer digitalen Gegenwart versehen, wird der Stein zum Abbild unserer digitalen, gegenwärtigen Zeit, zur “Obersten Schicht” oder zur digitalen Schicht. Zu der Schicht, auf der wir heute unsere Hochgeschwindigkeitsverbindungen leben. Der Stein wird somit Teil unseres “Netzwerkes”, zur fiktiven Schnittstelle zwischen Analog- und Digitalzeit. Er ist die “Ver-steinerung” unserer digitalisierten Epoche, er wird zum "Denkmal" unseres befristeten Daseins.

Dieses Stück Schiefer, aus der Schwarzjuraschicht, breche ich in neun Teile und hinterlasse auf unserer Wanderung, in neun von zehn Höhlen, neun Relikte unserer Zeit. In den Höhlen werden sie wieder zu dem was sie eigentlich sind, Stein, analoger Stein. Die neun Bruchstücke werden zu möglichen Fundstücken, unserer erst seit drei Jahrzehnten währenden Digitalzeit mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum.

An Stelle der neun hinterlassenen Artefakte entnehme ich den Höhlen acht einfache Steine, entnehme sie den Böden der frühen Behausungen und ordne sie neu, stelle sie zu einem Objekt zusammen, zu einer fast geschlossenen, fragilen Schicht des weißen Juras, auf dem wir leben.

Wir wandern entlang der Wiege unserer menschlichen Kultur, wir betreten Räume, Höhlen in denen Jahrtausende gelebt, gearbeitet, wir uns über Generationen fortgepflanzt und noch analog kommuniziert haben. Die Wanderung wird somit zu einer Reise durch die Digital- zurück in die Analogzeit. Die Zeit verschwimmt in Digital - Analog - Digital Fragmente.

Ich stelle mir vor, wie die Höhlenbewohner des "Gravettien" abstrahierte Leiterplattenmuster auf Steinen hinterlassen, die für uns heute nur schwer deutbar wären.

Mit Bruno Nagel wandere ich gemeinsam, über siebzig Kilometer durch drei Täler. Wir haben uns für das Zeitalter "Aurignacien" viel Zeit genommen, 40000 Jahre danach.

Ich danke “b-werbung” für die Schriftfolien und das Sandstrahlen des Steins und Wolfgang Krausser für seine Hilfe beim Brechen des Juras.

Fotografien / Standorte: Zehn Höhlen

Verbindungen zu "Lascaux" und "Chauvet"

Zehn Höhlen 02
Zehn Höhlen 03
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Zehn Höhlen 05

Westweg II . Mai 2015

Westweg II 01

Unzählige Vertriebene, Flüchtende aus Afrika versuchen den „gelobten Kontinent“, die „Festung Europa“ zu erreichen. Viele von ihnen werden auf ihrer Überfahrt zu namenlosen Toten. Das Mittelmeer ist in den letzten zwei Jahren zu einem Friedhof Europas geworden. Vor Jahrmillionen wurden Tiere zu Versteinerungen, heute sind es Menschen, welche zum Meeresgrund sinken und zu Sedimenten werden.

Es sind Menschen, die jenem Kontinent abstammen, in dem die Geburtsstunde der Menschheit stattfand und sich "Homo Sapiens", also wir und unsere “Moderne Gesellschaft” entwickelte und vor ca. 70000 Jahren in Richtung Europa aufbrach.

Die westliche, mediale Gesellschaft wählte für diese Fluchtbewegungen den Begriff "Boatpeople", dieser Begriff hat sich schon längst in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Er entstammt den 1970er Jahren, ursprünglich spricht man von den "indochinese boat people". (Wikipedia)

Der Versuch einer Überfahrt findet zumeist mit namenlosen Booten statt. Nur zwei Schiffsnamen wurden bisher bekannt und damit medial bedeutend: "Blue Sky M" und "Ezadeen".

Ich beschrifte sechs Steine mit den Begriffen: BLUE SKY M, EZADEEN und XXXX. XXXX soll für all die namenlose Boote stehen, die von den Medien und der Öffentlichkeit, nur am Rand des des Geschehens oder kaum wahrgenommen werden.

Ich wandere auf dem "Westweg". Dieser Weg führt mich über 290 km, in 13 Etappen von Pforzheim durch den Schwarz- wald nach Basel. Auf den letzten sechs Etappen hinterlasse ich während meines Weges, an exponierten Stellen sechs mit diesen Begriffen beschriftete Steine. Die Steine trage ich, als nicht unbedeutende Last, in meinem Rucksack mit mir.

Die Masse eines Steines entspricht ungefähr der Masse von Stahl. Ich stelle mir vor, wie schnell ein Kieselstein, den ich ins Wasser werfe, sinkt. Ich stelle mir vor, wie schnell ein Schiff, ein Stück Stahl sinken kann, ich versuche mir vorzustellen, es Menschen ergeht die ertrinken. Kein Grabstein wird an die Namenlosen erinnern. Die angeschwemmten Leichen werden mit Aluminiumfolien bedeckt und in schwarzen Plastiksäcken verwahrt. Tausende Familien warten vergeblich auf gute Nachricht von ihren Angehörigen aus dem "Goldenen Kontinent" Europa. 

Ich hinterlasse auf meinem Weg sechs Steine, jeweils an der fast höchsten Stelle meiner Etappen, immer über eintausend Meter, weit über Meereshöhe, an Stellen, an denen ein größerer Stein als Fundament dient. Sie wirken damit gefestigt, er-fahren scheinbar Schutz und Halt, haben "Sicheren Boden" unter ihren Füßen. Mit jeder Etappe wird mein Rucksack um einen Stein leichter. Die Last verringert sich mit jedem gegangenen Tag. Ich wandere weiter, denke an die Ertrinkenden und dabei immer wieder an die geringe Oberflächenspannung von Wasser, an das Gewicht von Schiffen und Menschen und daran, dass die dünne Haut des Wassers keinerlei Halt bietet. Ich denke daran, selbst zum Flüchtenden oder zum "Boat-People", zum Ertrinkenden und zu einer abstrakten Nummer auf einer Vermissten- oder Todesliste zu werden. Ich wandere durch den Schwarzwald, einem Inbild unserer Heimat. Ich ertrinke nicht. Ich bin von meiner Demokratie "behütet" und bekomme jeden Abend ein „Vesper“ meiner Wahl.

Siehe auch: Westweg I (2014)

Ich danke “b-werbung” für die Schriftfolien und das Sandstrahlen der Steine.



Sinken:

Bedeutungen:

1. von Schiffen: untergehen
2. (fliegend) absteigen; sich nach unten bewegen
3. in einer Flüssigkeit oder Ähnlichem durch die Schwerkraft nach unten gezogen werden
4. weniger oder kleiner werden

Untergehen:

Aussprache: ˈʊntɐɡeːən, Präteritum: ˈʊntɐɡɪŋ, Partizip II: ˈʊntɐɡəˈɡaŋən

Bedeutungen:

1. versinken; unter oder in etwas verschwinden
2. (Geräusche) nicht mehr hörbar sein, durch andere Geräusche oder Lärm
3. im Wasser versinken; ertrinken; in einem See, einem Meer verschwinden
4. aussterben; einer Katastrophe zum Opfer fallen

Herkunft: Gehen, Untergang

Synonyme:

1. verschwinden
2. absaufen, ertrinken, versinken
3. aussterben, sterben

Quellen: Wikipedia

Fotografien / Standorte: Westweg II

Text / Zu einer Flucht

 

Westweg II 02
Westweg II 03
Westweg II 04

"Das Floß der Medusa" . Théodore Géricault . 1819 . Öl auf Leinwand . 7,16 × 4,91 m . Louvre, Paris

Westweg II 05 Westweg II 06
Westweg II 08 Westweg II 07

Quelle: www.der-zaun.net / Gruppo interforze contrasto immigrazione Clandestina, Procura della Repubblica di Siracusa (Abbildungen autorisiert)

Die Schönheit eines laufenden Prozesses (Teil 3) . Mit Sigrid Perthen und Bruno Nagel . April 2015

Die Schönheit eines laufenden Prozesses 01

Expandierendes Objekt / Zusendung: Rita Schaible-Saurer

Ergänzung zur “Schönheit eines laufenden Prozesses” . Aktion 2014 (Teil 1 und 2)

Gemeinsam vergraben wir einige Nachfahren der Knollen der letztjährigen Aktion. Die Tage, das Wetter, die Vegetation sind ähnlich wie im vorigen Jahr. Der Zyklus beginnt von vorn. Wir suchen die Ursprungsorte unserer ersten Pflanzungen auf, die Hochfläche der Alb und die Nähe des Filsursprungs. Verlässlich blüht das Wiesenschaumkraut in der Xten Generation. Die Tätigkeit, die wir verrichten, gleicht der des vergangenen Jahres. Wir verüben eine einfache, sehr elementare Arbeit, auch in der Xten Generation. Scheinbar hat sich in der Natur nichts verändert, in der kulturellen Entwicklung und in unseren persönlichen Leben hingegen viel.

Die Kartoffeln des letzten Jahres haben gekeimt, ein Teil davon wurde mir von Menschen, die sich an der ersten Aktion be-teiligt hatten, als "neue Samen", als "Ernte-Dank", als Auszug ihres persönlichen Lebens und Weges zurückgegeben. Ich vergrabe sie erneut. Damit beende ich nach einem "Guten Jahr", nach einer "Guten Ernte" die Aktion "Die Schönheit eines laufenden Prozesses". Der Kreislauf hat sich nun geschlossen, ein neuer Prozess wird sich selbstständig anfügen.

Mein Dank gilt allen, ca. 45 mitpflanzenden Menschen, die sich im Jahr 2014 an dieser Interaktion beteiligt haben. 

”Kunstsammlung”. (Ankündigung) . Mit Norbert Fischer . 2011 - Februar 2015

Kunstsammlung 01

Fotografie: Markus Simon

Eine "Kunstsammlung" beinhaltet Werke der bildenden und / oder der angewandten Kunst (Kunstgewerbe, Kunsthandwerk, Design) und anderen Ausdrucksmedien der Künste. (Quelle: Wikipedia)

Kunst wurde schon immer gesammelt, war immer Wertanlage, oft Leidenschaft. Einige Sammlungen wuchsen im Laufe der Jahrzehnte ins Unüberschaubare, manch eine Sammlung wurde ihren Besitzern zum Ballast.

Wir befreien Sie von Ihrem Ballast, stellen Sie Ihren "Kunstmüll" auf die Straße, machen Sie sich frei von Ihren Investitionen. Befreien Sie sich von Ihrer "Kunstsammlung". Stellen Sie Ihren Caspar David Friedrich, Ihren Rembrandt, Ihren Picasso, Ihren Richter und Ihre anderen Werke raus, wir holen sie und auch Ihre zweit- und drittklassige Kunst bei jedem Wetter ab!

Die Termine für die "Kunstsammlung" entnehmen Sie bitte der Postwurfsendung, die im Vorfeld in Ihrem Wohngebiet ver- teilt wird. Sie haben also genügend Zeit, sich von Ihren Werken mental und persönlich zu verabschieden.

Die eingesammelten "Kunstwerke" sollen in einer Galerie günstig zum Verkauf angeboten werden. Der Erlös wird von uns einem, oder mehreren Kindergärten zum Erwerb von Buntstiften und Zeichenblöcken zur Verfügung gestellt. So kann neue Kunst entstehen!

Die Überlegungen zu "Kunstsammlung" begannen im Jahr 2011. Ausgeführt wurde das Konzept noch nicht.

Kunstsammlung 02
Kunstsammlung 03
Kunstsammlung 04

Objekt “Kunstsammlung”: Barockrahmen . Passepartout . Fiktive Postwurfsendung . ca. 41 × 33 × 2.5 cm . 2015

Wir zeigten uns unsere Bilder (remix / Neuauflage) . Mit Sylvia Mehlbeer . 1999 - Dezember 2014

Am 20.12.2014, zeigen wir auf der Gemarkung 10/1-Haier uns unsere Bilder. Wir wiederholen die Aktion nach fünfzehn Jahren noch einmal, die erste Ausstellung fand am 28.02.1999 statt. Seitdem sind 5774 Tage vergangen, die Landschaft hat sich kaum verändert. Ein paar Bäume wurden gefällt, neue gepflanzt, die Gegend ist noch immer kein Baugebiet. Wir versuchen unsere damalige Stellung in der Landschaft erneut einzunehmen, dieselbe Perspektive zu realisieren erweist sich als zu aufwendig. Die Ausstellungsdauer beträgt ca. 2 Stunden. Einladungen wurden keine versendet, Publikum war demnach keines zugegen, dies wurde willentlich in Kauf genommen. Vereinzelte Spaziergänger schauen fragend herüber. Bellende Hunde in der Ferne, wie damals. Kein Hahn kräht, außerhalb des Kunstmarkts,  kurze Sonne, ein Tiefdruckgebiet kündigt sich an. Es ist ein Tag vor der Wintersonnenwende, die Blätter zu unseren Füßen, schwarz, nass und zertreten gehen allmählich über in Erde, im kommenden Jahr schon sind sie Humus. Die Zeit vergeht mit uns, die schwarzen Blätter spiegeln den Himmel, diese Landschaft hat schon lange keinen Schnee und keine neuen Bilder mehr gesehen.

Ich danke Markus Simon für die Neuformatierung der Perspektive und der Realisation der Fotografie.

Wir zeigten uns unsere Bilder 01 1999

Fotografie: Markus Simon . 20.12.2014

Wir zeigten unsere Bilder

Fotografie: Siegfried Hopf . 28.02.1999

Analog . Digital
Digital . Analog . Konzept und Realisation mit Kathleen Jahn .
Oktober
2014

Analog-Digital 01

Wir fotografieren die fast gleichen Motive, entlang eines Weges über die Alb. Die Motive bestimmen wir gemeinsam.
Kathleen Jahn fotografiert in analoger Technik, ich selbst fotografiere digital. Analog kann man als lineare Bewegung, digital- als Stufen, bestehend aus den geordneten Zahlen 0 und 1 verstehen. Wanderungen finden noch immer im analogen Stil statt.
 
Die Motive reduzieren wir auf klassische Landschaftsansichten. Die Bildmotive werden durch eine Wand halbiert, die wir an ausgewählten Aussichten platzieren und von Ort zu Ort tragen. Die Halbierung der Bilder weist auf die Unterschiedlichkeit dieser Techniken hin. Ich kann meine Fotografien mit einem Bildbearbeitungsprogramm verändern und modifizieren.
Kathleen Jahn bleiben bei analoger Bildentwicklung nur geringe Einflussmöglichkeiten. Ich kann ein Maximum an digitaler Perfektion über die Tastatur erreichen, Kathleen Jahn kann analoge Änderungen nur per Hand in der Dunkelkammer vornehmen. Elementare Manipulationen am Bild erfordern jedoch einen größeren Aufwand. 

Es entsteht eine gemeinsame Bildstrecke über ca. zehn Bilder. Jeweils zehn analoge und digitale Abbildungen aus fast gleicher Perspektive. Ein analoges Motiv wird zu einem digitalen Motiv, ein digitales Motiv zu einem analogen. Wir begehen einen gemeinsamen Weg und beschreiten diesen in zwei unterschiedlichen Techniken, beide Techniken prägten und prägen die Zeit, in der sie dominant waren und sind. Wir vollziehen eine gemeinsame Handlung, lediglich getrennt durch die Verfahren analog und digital. Die Landschaft hinterlassen wir unberührt, sie wird bleiben, ein Original. Sie ist die Wirklichkeit. Wir bilden sie nur ab und vervielfältigen sie.

Kathleen Jahns Fotografien werden in alter Technik auf "Barytpapier" entwickelt. Eine davon wird von ihr mit analogen Far- ben handkoloriert. Somit wird diese Fotografie zu einem Unikat und steht im absoluten Gegensatz zu der von mir erstellten digitalen Serie. Abbildungen, die ich jederzeit aufs Neue verändern und als Original ausgeben kann. Hier beginnt eine kaum nachvollziehbare Grenze zwischen Unikat und möglicher digitaler Fälschung, die tausendfach kopiert und publiziert werden kann. Aus einem trüben Himmel kann ich einen leuchtenden machen, die Farben verbiegen, aus dem Vorhandenen neues erschaffen. Keiner würde es bemerken, die Fälschungen gelingen seit Jahren nahezu perfekt. Wo also sind wir der Realität und der Authentizität näher? Was ist Wahrheit und was bedeutet uns die einfach vorzunehmende, manipulierende Form einer Korrektur, die zu einer digitalen Lüge und zu einer völligen Umdeutung der Realität werden kann?

Kathleen Jahn begibt sich mit einer zweiten Serie auf eine eigene Reise. Diese Fotografien begleiten unseren Weg über die Alb dokumentarisch und werden zu einer fiktiven Geschichte zweier handelnder Personen.

Die beiden Analog-Serien von Kathleen Jahn sind in Buchform in ihrem „Habitat“ einsehbar.

Unser Dank gilt Sylvia Mehlbeer, die uns auf diesem Weg begleitete und eine der "zwei Personen" spielte.

“Authentizität (von gr. αὐθεντικός authentikós „echt“; spätlateinisch authenticus „verbürgt, zuverlässig“) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“. Das Adjektiv zu Authentizität heißt authentisch”. Quelle: Wikipedia

Fotografien / Standorte: Analog / Digital

„Habitat” / Eine Geschichte mit zwei handelnden Personen

Analog-Digital 02
Analog-Digital 03

Sehenswürdigkeiten / ”Viele Grüße” . August 2014

Sehenswürdigkeiten 002

Eine Reise ist eine Reise, ein Text ist ein Text ist ein Text auf einer Postkarte, eine Sehenswürdigkeit ist eine Sehenswürdigkeit, ist eine Sehenswürdigkeit...

“Eine Sehenswürdigkeit ist ein bedeutsames Naturdenkmal, Kulturdenkmal oder etwas anderweitig Attraktives, Spekta- kuläres beziehungsweise Prominentes, das häufig in touristische Programme einbezogen wird. Dabei handelt es sich auch um Objekte, die der Reisende durch die Medien (Zeitschriften, Fernsehen, Reiseromane, etc.) bereits kennt und die er eigenständig erleben will. Manche Sehenswürdigkeiten haben zugleich Wahrzeichencharakter für ein Land, eine Region oder eine Stadt”. Quelle: Wikipedia
 
“Postkarten, oder Ansichtskarten sind meist rechteckige Karten, in der Regel aus Karton, die als offen lesbare Mitteilungen per Post verschickt werden”. ...(wurden) Quelle: Wikipedia

Von den Orten und den Sehenswürdigkeiten, die wir auf unseren Reisen besucht haben, verschickten wir über Jahrzehnte Postkarten, um zu zeigen wo wir waren und versahen diese mit unseren Grüßen. Diese haptischen Erlebnisse werden in unserem digitalen Zeitalter durch "Social Medias" ersetzt. Die Postkartenständer in den Touristenhochburgen werden selt-ener. Die handgeschriebene Karte, die wir im Postkasten vorfinden, wird zur Ausnahme, zu einem aussterbenden Medium. Das "Smartphone" ist die Postkarte unserer Zeit. Das gegenwärtige Massenphänomen sind "Selfies". Sie werden vor Ort, vor "Neuschwanstein", dem "Heidelberger Schloss", dem "Brandenburger Tor", dem "Hofbräuhaus" und allen anderen welt-weiten Sehenswürdigkeiten in Sekunden produziert und versendet. Die Welt ist voll davon, wir haben sie zu unseren Reisezielen und Utopien gemacht. Die Motive haben wir schon längst verinnerlicht. Die Schönheiten sind längst abgenutzt.

Die Lust sich mitzuteilen und darzustellen ist ungebrochen. Sie expandiert, allerdings in digitaler Form. Die Mitteilungen be-stehen nicht mehr aus Pappe und Tinte, sondern aus Milliarden von Pixeln, die um den Planeten kreisen. Von diesen Grüßen wird uns nichts bleiben, es gibt bis heute keine längerfristige Technik des digitalen Erhaltens. Noch keine "Harddisc" kann sie über drei Generationen hinweg speichern. Die versendeten Grüße wird es in der Zukunft nicht mehr geben, die Ära der Schachtel mit Grußkarten ist vorüber, kein Urenkel wird sie noch lesen können. Unser Gruß ist nur noch ein Binärcode, bestehend aus Nullen und Einsen. Dieser Code besitzt keine Handschrift.

Aus einem Fundus von alten Karten, wähle ich zehn aus. Die Karten beschreiben einen Zeitraum von ca. 120 Jahren. Die ersten sind noch kleine, schwarzweiße Originalfotografien, aus den 1920ern, ab den 50er Jahren kommt die Farbe hinzu, bis hin zu den plakativ schrillen Abbildungen der 70ziger des vergangenen Jahrhunderts. Sie sind ein Symbol des sich ent-wickelnden Wohlstandes und der analogen Abbildung davon.

Ich wandere durch die Schweiz, eine Hochburg der schneebedeckten Berge und Postkartenständer und hinterlasse auf der Wegstrecke, an spontan gewählten Orten, an Bäumen, in Zügen und Städten jeweils eine Postkarte. Adressen und Namen habe ich geschwärzt. Vielleicht werden sie gefunden und gelesen, wahrscheinlich werden sie zuvor vom Regen gelöscht. Der Text, das Motiv auf der Vorderseite wird sich mit jedem weiteren Tag zersetzen, sich auflösen, so wie die Ära der Postkarten zu Ende gehen wird. Die kurzen Sätze darauf, beschreiben meist ein, zwei Urlaubswochen. Sie sind Momente persönlichen Glücks, kurze Statements zur Gegenwart. Aus diesen Momentaufnahmen entstehen ganze Lebens-geschichten. Die Texte auf den Karten wiederholen sich, sind austauschbar. Es ist ein Ritual der sich ähnelnden Sätze, ein handschriftliches Zeugnis des vergangenen Jahrhunderts. Meist geht es um das Wetter, das Hotel, die eigene Befindlichkeit, überwiegend bekundet man der Welt wo man sich jeweils bewegt, wie "großartig" die Reise ist. "Viele Grüße" kommen hinzu.

Aus diesen millionenfach vorhandenen Sätzen wähle ich folgende Quintessenz:
 
Datum: ... Liebe / Lieber / Hallo  ..., das Wetter ist gut, wir haben schon einige „Sehenswürdigkeiten besucht. Uns geht es gut, der Urlaub könnte länger sein! Wie geht es Dir / Euch? Das Essen und das Hotel sind auch ganz gut. Wir haben Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht. Die Landschaft ist schön! Wir könnten es hier länger aushalten. Viele Grüße von ein paar schönen Erholungstagen, sendet Dir / Euch ......

Auf meiner Reise versende ich einige Karten mit dem bekannten Motiv der Gipfel von „Eiger, Mönch und Jungfrau". Eine persönliche Sehenswürdigkeit. Ich beklebe die Postkarte mit vorgefertigten Ausdrucken des oben stehenden Textes und versehe den Ausdruck mit einer Auflagennummer und Unterschrift, so wird sie zu einem Unikat und ist somit auch wieder zu einem handschriftlichen Gruß geworden.

Eine Karte versende ich nicht, ich hinterlasse sie zum Ende der Reise in einem Postkartenständer in der "Fußgängerzone" in Ulm, in Sichtweite des Münsters. So findet sich für irgendjemand eine Sehenswürdigkeit aus der Schweiz, neben einer Sehenswürdigkeit aus Süddeutschland, dem "Ulmer Münster".

Arbeitsanweisung: Lasst uns diese analoge Kultur erhalten, greift zurück zum altehrwürdigen Offsetdruck, zu Kugel-schreiber und Tinte auf Pappkarton. Schickt mir Karten von Sehenswürdigkeiten, auch aus der näheren Heimat, sucht die letzten Postkartenständer und Briefkästen auf. Verseht die Karte mit dem Begriff "Sehenswürdigkeit", mit dem Datum und der Uhrzeit. Sie sollen zu einem „Karton" voller Ansichten und Aussichten Eurer Gegenwart, zu einer Hommage an die handgeschriebene Postkarte werden. Sendet mir "Viele Grüße” und hinterlasst Eure handschriftliche Signatur!

Adresse: Andreas Bressmer . Opelstr. 51 . 73035 Göppingen

Fotografien / Standorte: Sehenswürdigkeiten

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Westweg . Juni 2014

Ich wandere auf dem "Westweg". Dieser Weg führt über 290 km, in 13 Etappen von Pforzheim durch den Schwarzwald nach Basel. Auf sieben Etappen hinterlasse ich während meines Weges, an exponierten Stellen, sieben mit Begriffen beschriftete Pflöcke.

Täglich erreichen uns Nachrichten über Menschen, die aufgrund Krieg, Hunger, Vertreibung, "falscher” Religions- zugehörigkeit oder nicht passender politischer Meinung ihre Heimat verlassen müssen. Oft ist es der letzte „Ausweg", eine Flucht über tausende von Kilometern anzutreten, in der Hoffnung, in die Freiheit, in das „Gelobte Land", in den "Westen" zu gelangen.

Die uns erreichenden medialen Informationen, zu diesen weltweiten Bewegungen sind in einem Fundus uns sehr bekannter, im Gedächtnis vieler Menschen gespeichert und von über die Jahre wiederholender Begriffe geprägt. Vierzehn prägnante wählte ich aus:

ABSCHIEBUNG .  ASYL . AUFNAHMELAGER . BOAT PEOPLE . ERTRUNKEN.  FLUCHT . FLÜCHTLINGE . FOLTER HOFFNUNG . HUNGER . KEINE HEIMAT . LAMPEDUSA . MIGRATION . VERFOLGUNG . VERTREIBUNG . WESTWEG

Die Verwendung des Begriffes „Westweg" war Programm, dieser Wegname beinhaltet das Ziel und ist geprägt von Sehn- süchten und Hoffnungen.

Ich beschriftete die Pflöcke vorder- und rückseitig mit den folgenden Konstellationen:

BOAT PEOPLE/ERTRUNKEN . KEINE HEIMAT/VERTREIBUNG . LAMPEDUSA/FLÜCHTLINGE . HUNGER/FOLTER/ ASYL . VERFOLGUNG/FLUCHT/HOFFNUNG . ABSCHIEBUNG/AUFNAHMELAGER . MIGRATION/WESTWEG .

Ich wandere durch den "Schwarzwald", den Inbegriff unserer deutschen "Heimat". Ich durchwandere dieses Gebiet ohne Druck und Repressalien und erleide keinen Hunger. Ich bin nicht auf der Flucht, ich bin durch Demokratische Gesetze und durch das "Recht auf Freie Meinungsäußerung" gedeckt. Ich bin medizinisch zu jeder Zeit versorgt. Ich entscheide und nur ich, wie weit ich wandere, wann ich wandere und wohin ich wandere. Ich selbst entscheide, an welchen freien Orten ich an-kommen will und wann ich weitergehen will. Am Ende meiner Entscheidungen erwarten mich an allen Orten, für mich be-zahlbare Lebensmittel. Ich bezahle nicht mit meinen Leben. Ich bezahle die Reise bargeldlos. Ich habe "Kredit". Ich werde nicht gezwungen zu gehen, werde nicht angeschossen und kein "Querschläger" trifft mich. Ich habe die Sicherheit und die Zeit mich auf die "Schönheiten der Natur" einzulassen. Ich habe "Feiertage". Ich habe die Möglichkeit in meiner "Heimat" zu verbleiben oder diese freiwillig zu verlassen. Ich empfinde dies als absoluten Luxus und als das Gegenteil der Entbehrungen jener, die auch in die Freiheit des "Westweges" gelangen wollen. Ich wandere allein. Ich wandere mit diesen Gedanken den Flüchtigen, die oft ihres Lebens bedroht werden, in Richtung Süden ca. 160 km entgegen. In Richtung Lampedusa, Syrien, Lybien und Irak und hinterlasse sieben beschriftete Pflöcke auf meinem Weg.

Der "Westweg" ist ein stark frequentierter Fernwanderweg. Wie meine Nachfolgenden mit den "Begriffen" zwischen ihren Atemzügen umgehen werden, ob sie sich mit ihrem persönlichem Weg und Leben vermischen, kann ich nur erahnen.

Wir alle waren Flüchtlinge, sind nur zufällig Seßhafte und können zu jedem neuen Tag zu Flüchtigen werden.

Ich danke “b-werbung” für die Überlassung der Schriftfolien und Wolfgang Krausser für das Zustandekommen der Pflöcke.

Fotografien / Standorte: Westweg
Fotografien: Nachsatz
Zur Entwicklung der globalen Flüchtlingsströme / 06.2014
UN-Jahresbericht “Global Trends” zum Jahr 2013

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Die Schönheit eines laufenden Prozesses (Teil 1) . Mit Sigrid Perthen und Bruno Nagel . April 2014 

Interaktion bezeichnet das wechselseitige Aufeinandereinwirken von Akteuren oder Systemen und ist eng verknüpft mit den übergeordneten Begriffen Kommunikation, Handeln und Arbeit. Manchmal werden diese Begriffe sogar synonym verwendet. Quelle: Wikipedia

Auf einer Wanderung hatte ich in meiner Jackentasche eine Kartoffel wiederentdeckt, die ich ein paar Tage zuvor aus einer Küche mitgenommen hatte. Spontan habe ich diese an denkbar geeigneter Stelle, an einem Wiesenrand, auf der Hoch- fläche der Schwäbischen Alb, verpflanzt und sich selbst überlassen. Werkzeug hatte ich keines dabei. Ich werde den Ort im Spätsommer wieder aufsuchen.

Gemeinsam mit Bruno Nagel pflanzte ich daraufhin acht Kartoffeln rund um Geislingen. Jeder von uns brachte vier Knollen mit. Das Postulat von Bruno "Wachse, wirke, werde" hinterließen wir an diesen Orten.

Mit Sigrid Perthen pflanzte ich am 1. Mai einige Kartoffeln während einer Wanderung auf einer Hochfläche der westlichen Alb. Die Orte wurden von uns gemeinsam ausgesucht. Zum "Tag der Arbeit" haben wir die Kartoffeln mit den Buchstaben der ersten Hälfte des ABCs versehen. Wir wollten diesen Tag politisch bedenken, der Buchstabe A steht für geleistete Arbeit und für Achtsamkeit. Bruno Nagel hatte ich gebeten, mir drei von ihm beschriftete Kartoffeln mitzugeben, zwei davon versehen mit den Aufschriften "Walpurgis" und "Sekunde-Ewigkeit”. Sie wurden ebenfalls von uns gepflanzt und in der Landschaft hinterlassen.

Wir hatten im Jahr 2013/2014 gemeinsam ausgestellt, eine Ausstellung initiiert vom Künstlerbund BW im Museum Bieder- mann in Donaueschingen. Im ersten Teil der Ausstellung traten Sigrid Perthen und ich in einen Dialog, zum zweiten Teil, habe ich Bruno Nagel eingeladen. Wir zeigten Arbeiten, die miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt waren, die Dialoge wurden zu einem Trialog. Der Titel der Ausstellung, "Dialog/Trialog", war Konzept und dieses wollte ich, unter uns Beteiligten weiterverfolgen. Die Pflanzungen wurden für mich so zu einer Wiederaufnahme dieses Entwurfes, zunächst zu zwei unabhängigen Dialogen, zu Pflanzungen an verschiedenen Orten, verbunden durch die Parallelität der Tätigkeit in der Landschaft in der wir gemeinsam leben. Durch diese Verbindungen wurden unsere Pflanzungen zur Interaktion.

Die Schönheit eines laufenden Prozesses (Teil 2)

Es wird von mir zu dieser Aktion kein Konzept verfasst werden. Die Pflanzungen benötigen keinerlei Erklärung, sie sollen einfach geschehen. Sie können sich vermischen, mit persönlichen Gedanken, Erinnerungen, Statements und Bekennt- nissen. Ich nehme mir vor, die Pflanzungen auszudehnen, mit weiteren Beteiligten, die ich mitnehmen will über das Jahr und die Jahre. Die gepflanzten Kartoffeln werden Früchte erzeugen, die ausgegraben, weitergereicht, geteilt werden können und erneut vergraben, durch die Zeit. Die Aktion kann und soll sich mit neuen Teilnehmern verselbstständigen, soll zur "Sozialen Interaktion" werden. Eigene, persönliche Orte, "Landmarken", sollen von diesen bestimmt und aufgesucht werden. Jede neue Pflanzung erweitert die "Idee" um ein paar Nuancen, ein jeder soll für sich selbst bestimmen, was er damit verbindet und sei es nur seine persönliche Erinnerung. Jeder hinterlässt etwas, etwas "Treibendes", hinterlässt ein Gewächs das sich selbst vervielfältigt und somit neue Grundlagen bildet. Es geht mir um die "Schönheit eines Prozesses" und um die gemeinsame Arbeit, die gemeinsame Kommunikation und das gemeinsame Handeln. Was ich bei den Pflanz-ungen wieder neu erfahren habe, ist die uns wohl grundlegende menschliche Gemeinsamkeit, einen Keim, einen Samen, eine Knolle zu verpflanzen, deren Früchte zu ernten, zu vermehren und weiterzugeben. "Dreck" unter den Fingernägeln zu haben und die Lust, Erde zu spüren und zu riechen. Die Pflanzung, die Aussaat, die Ernte ist eine der elementarsten Tätigkeiten, die wir Menschen kennen und die in über tausenden von Generationen in uns gereift ist. Dazu benötigen wir keinen Computer. Fast scheint mir, dass wir über die Jahrtausende, zu diesem Ritual ein Gen entwickelt haben, das wir in uns tragen und das uns gemeinsam weiter trägt. In unserer gegenwärtigen Sprachfindung nennt sich dies auch "Netzwerk oder network". Ich bleibe bei einer einfachen Wortwahl, bei der "Schönheit eines laufenden Prozesses", einer gemeinsamen Handlung und bei der Ruhe, die uns beim Pflanzen von Kartoffeln empfängt. Schalten Sie Ihr Handy ab!



Arbeitsanweisung / Pflanzanweisung
Protokoll: Über die Pflanzungen . Stand: 31. Juli 2014
Fotografien / Standorte: Die Schönheit eines laufenden Prozesses

Trieb - Die Schönheit eines laufenden Prozesses
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Die Schönheit eines laufenden Prozesses 03
Gesamtansicht

Neue Heimat . März 2014

Als Neobiota (Von griechisch: néos „neu“ und bíos „Leben“) bezeichnet man Arten und untergeordnete Taxa, die sich, ohne oder mit menschlicher Einflussnahme, in einem Gebiet, manchmal invasiv etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. Neobiotische Pflanzen bezeichnet man als Neophyten. Quelle: Wikipedia

Was ist Heimat? Ist Heimat die Gegend, in der wir geboren wurden, oder ist Heimat die Utopie, nach der wir uns sehnen, die uns rettet, das Arkadien zu dem wir flüchten? Ist Heimat die Gegend, von der wir uns erhoffen aufgenommen zu werden? Ist Heimat der Staat, von dem wir denken, in “Menschenwürde” leben zu können, in dem demokratische Gesetze herrschen, wo wir uns in unserem Tun unverfolgt entfalten können? Wie oft aber wurde eine “falsche Heimat” zur Lüge und führte nicht zur Rettung, sondern zur Verfolgung und Ausweisung? Alle Menschen können aus humanitären, politischen, ökonomischen oder ökologischen Gründen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Wir Europäer, meine Generation, haben das große Glück, seit nahezu siebzig Jahren in Demokratien zu leben. Wie es unseren Nachfahren ergeht, vermögen wir nicht zu wissen.
  
In Afrika entwickelte sich, vor einer halben Million Jahren der Erfolgreichste unserer Gattung, der Homo Sapiens. Wir verließen vor etwa 120.000 Jahren diesen Kontinent und bevölkerten unseren Planeten. Die Gene sind fast unverändert geblieben, nur die Kultur, die Hautfarbe und die Sprache haben sich der jeweiligen “Neuen Heimat” angepasst und ent- wickelt. Unsere Vorfahren scheinen die ersten ökologischen Flüchtlinge gewesen zu sein. Bis heute fliehen aus ihrer Heimat jedes Jahr Hunderttausende, vor schweren Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierungen, Repressalien, oft aus oder unter Lebensgefahr.

Ich pflanzte zwei “Neophyten”, in heimischen Boden. Zwei Orchideen (Gattung: Phalaenopsis), “hergestellt” als Massenpro- dukt, in einem Gartenmarkt, zu jeweils 9,99 Euro erworben. Ein heimatlicher Boden, ein “Magerrasen”, eine Wacholder- heide, der Inbegriff “Unserer Heimat”, diese "Neue Heimat" sollte sie ernähren, sollte ihnen die Möglichkeit geben, sich frei zu entfalten. Werden sie zu Invasoren in unserer heimischen Flora oder werden sie eine friedliche Koexistenz eingehen?

Realität ist jedoch, dass sie aufgrund unserer Witterung wahrscheinlich keinerlei Überlebenschance haben werden. Ob sie sich verwurzeln können, in "Fremdem Gebiet", ist fraglich. Der bewusst kalkulierte Verlust dieser beiden “Neophyten”, war mir Programm und Teil der Theorie dieser Verpflanzung.
 
Die weltweiten Flüchtlingsströme werden via Satellit und Drohnen überwacht und verfolgt, es ist es ein Leichtes, ihre Bewe- gungen nachzuvollziehen und ihr mögliches Ankommen in ihrer “Neuen Heimat” zu unterbinden. Ich stelle mir vor, alle Menschen bekommen bei ihrer Geburt einen Chip implantiert, so wäre ihr Aufenthaltsort über GPS jederzeit bestimmbar. An Flucht wäre somit nicht mehr zu denken.

Die exakten geographischen Koordinaten der beiden “Neophyten”, werden hiermit für Satelliten und Drohnen freigegeben.

Pflanzort 01: N 48°.37’.119” / EO 09°.38’.965” / Höhe 678m  (Wacholderheide bei 73344 Gruibingen)
Pflanzort 02: N 48°.37’.916” / EO 09°.46’.001” / Höhe 664m  (Wacholderheide bei 73337 Unterböhringen)

Ich denke bei dieser Verpflanzung an alle “Neophyten”, an alle in der Vergangenheit und an die in Zukunft Vertriebenen und Flüchtigen, an deren Schicksale, den daraus unaufhaltbar längerfristig entstehenden neuen Kulturen und damit multikulturellen Gesellschaften. Die Verpflanzung soll für den freien Entschluss stehen, in "seiner Heimat” zu verbleiben, oder sein Land auf freiwilliger Basis verlassen zu können um eine neue selbstgewählte “Heimat” zu finden.

Ich danke Markus Simon für die Bestimmung der GPS-Koordinaten. Die beiden Standorte werde ich, zu gegebener Zeit, wieder aufsuchen.

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Pflanzort 01: N 48°.37’.119” / EO 09°.38’.965” / Höhe 678 m über Meereshöhe (Wacholderheide bei 73344 Gruibingen)

Neophyt 02

Pflanzort 02: N 48°.37’.916” / EO 09°.46’.001” / Höhe 664 m über Meereshöhe (Wacholderheide bei 73337 Unterböhringen)

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Integration (Unterschicht / Oberschicht / Unterschicht) . 2008 - März 2014

Eine im Jahr 2008 entstandene Arbeit, mit dem Titel “Die Oberste Schicht”, besteht aus dem hier heimischen Posi-donienschiefer, dem so genannten “Schwarzen Jura". Diese Schicht wurde vor ca. 200 bis 178 Millionen Jahren abgelagert und ist die unterste der drei bekannten Juraschichten. Der Superkontinent Pangaea zerfiel und teilte sich in die heutigen Kontinente. Der Grund wurde zu einem gewaltigen Meer, dem "Jura- oder dem warmen Süddeutschen Meer" und ist nach langen Anhebungsprozessen wieder zu dem Boden geworden, auf dem wir heute unser Dasein verbringen, auf dem wir zum Säugetier Mensch wurden, die Kultur erfanden und heute unsere Fertighäuser und Industrien bauen.

Als Skizzen für eine Außeninstallation, habe ich Leiterplattenmuster in Schwarzjuraplatten gestrahlt. Mit diesem digitalen Muster versehen, wurden die Steine zu dem, was der Titel beschreibt, zur “Obersten Schicht” oder zur digitalen Schicht, also zur der Schicht, auf der wir heute unsere schnellen Verbindungen leben. Die Steine wurden somit fiktiver Teil unseres “Netzwerkes”. Ich hatte im Jahr 2008, fünf Steine dem Boden eines Steinbruches bei Ohmden/Teck entnommen und sie mit den heutigen maschinellen Mitteln bearbeitet, um sie damit als "Skulptur” in unsere “Gegenwart” zu transportieren.

Ich suchte den ursprünglichen Ort nach sechs Jahren wieder auf, erdgeschichtlich gesehen eine sehr kurze Zeitspanne. Einen Stein habe ich nun, in modifizierter Gestalt wieder zurückgegeben, zurückgebracht an die fast gleiche Stelle, an der der Schwarzjura ursprünglich lagerte. Ich wollte ihn wieder in seine "Alte Heimat” integrieren, an die ursprüngliche Schicht zurückgeben. Der Kassier des Steinbruches war sichtlich irritiert, als ich ihm vermittelte, dass ich keine Steine mitnehmen, sondern einen zurückbringen wollte.

Wie ein möglicher Finder damit umgeht, ob er das Leiterplattenmuster zwischen den versteinerten Muscheln identifiziert, ob der Stein als “Sensationsfund” in den Medien publiziert wird, ob er von schweren Maschinen zertrümmert, oder ungesehen und unerkannt wieder zu dem wird, was er einmal war, in Jahrmillionen zu einer neuen Bodenschicht versickert, liegt außerhalb meiner Wahrnehmung. Vielleicht wird die von mir entnommene "Unterschicht", die zur “Oberschicht” wurde, somit wieder zur “Unterschicht".

Fünf Steine / Aus Serie: Analog / Digital

001e Die oberste Schicht
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Interventionen . Gemeinschaftsarbeiten mit Klaus Heider . 2011 - 2013

Bei einem unserer vielen gemeinsamen Abende vor dem PC, entstand aus einer spontanen Idee heraus, der Entschluss, mit einen Bildbearbeitungsprogramm, Fotografien gemeinsam grafisch zu intervenieren und auf diese Einfluss zu nehmen. Es war der ausdrückliche Wunsch von Klaus Heider, dass Fotografien von mir dazu verwendet werden. Einige Bilder sind relativ zügig entstanden, anderen gingen intensive Debatten voraus. Die Entscheidung wie unsere Einflussnahme aussehen sollte, konnte sich bei einigen Exemplaren über Tage oder Wochen hinziehen. Von Juli 2011 bis Juni 2013 sind in loser Folge, einundvierzig Arbeiten entstanden. Mitte des Jahres 2013 reifte die Absicht, ein mich überraschender Entschluss von Klaus, diese Serie als Gemeinschaftsarbeit auszustellen. Die letzte Arbeit entstand am 10. Juni, kurz vor seiner Abreise nach “Cima”, in sein Haus am Luganer See. Er wollte noch die 55. Biennale in Venedig besuchen.
Durch den Tod von Klaus, am 28. Oktober 2013 ist es dazu nicht mehr gekommen. Da diese Serie in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist, veröffentliche ich hier zwei Bilder aus der Reihe. Die Entscheidung hierzu, entstand aus größtem Respekt vor der Arbeit von Klaus und in Erinnerung an hunderte lange Abende, die wir über fünfzehn Jahre zusammen verbrachten. Ich halte die Serie ausdrücklich zurück, sie verbleibt auf meiner Festplatte bis sich vielleicht eine passende Ausstellungssituation ergibt. Die graphischen “Interventionen” tragen eindeutig die Handschrift von Klaus Heider. 

034 Gemeinschaftsarbeit mit Klaus Heider 25.07.12
030 Gemeinschaftsarbeit mit Klaus Heider 10.07.12

Zwei Demonstrationen - Zwei Steinwürfe . 2009

Anlässlich zweier besuchter Demonstrationen, auf denen ich keinen Stein geworfen habe, warf ich an zwei beliebigen Tagen des Jahres 2009, jeweils einen beliebigen Stein, in einer beliebigen Landschaft, in eine beliebige Richtung.

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017 Demonstration 01

Kieselsteine .  jeweils ca. 6 ×12 cm . Sandgestrahlter Schriftzug

Demonstration 04
Demonstration 03

Wurforte Eins und Zwei

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit . Konzept und Realisation mit Norbert Fischer . 2008

Unter “Ausschluss der Öffentlichkeit” entstand als Reaktion auf den Medienhype, Unwesentliches zu fernsehtauglichen Gala-Abenden oder “Events” zu stilisieren. Dieses Verhalten der Medien hat sich über die Jahre nicht verändert. Menschen die nichts bewirken, außer “geliftet und hübsch” zu sein, stehen im Mittelpunkt des öffentliches Interesses und der Aufmerksamkeit, bzw. werden von den Medien zum allgemeinen Interesse und damit “prominent” gemacht. Menschen hingegen, die forschen, neues erschaffen, sozial arbeiten oder Frieden stiften, normale Arbeitnehmer, die vor der Kamera nicht sonderlich eloquent erscheinen, ihre Inhalte nicht sonderlich originell, keine “Sternchen,” schrill oder “Luder” sind, werden hingegen gänzlich ignoriert. “Heute Abend gibt’s ‘ne Show”, kommen Sie alle, es wird bunt, wichtig und morgen berichtet das Boulevard endlich nun auch über Sie!

In einem unbekannten Vereinsheim, in einer unbekannten Provinz ließen wir einen Pokal ohne Gravur enthüllen. Gäste, Zuschauer, waren nicht erwünscht und wurden nicht geladen. Wir wollten kein “Prosecco”, keine “Küsschen zur Begrüßung” und mieden die Öffentlichkeit. Obwohl es keinen “Empfang” gab, war der Abend nicht “billig.” Ein Abend für fünf Mitspieler, Requisiten, Schinkenwurst und Brezeln. Der “Event” war natürlich ein “Riesenerfolg” oder “The Show must go on”.

Akteure: Andreas Bressmer und Norbert Fischer . Enthüllung eines für diesem Event hergestellten Pokals: Isabel Sofka Musik: Diane Sofka und Band . Styling und Modeberatung: Sylvia Mehlbeer . Fotografie: Markus Simon und Frank Stohl

Wir danken für die Zurverfügungsstellung der Räumlichkeiten, einem bekannten Verein in der süddeutschen Provinz.

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Bressmer und Fischer schlagen Paparazzi

Was zunächst als Satire geplant war, wird nun von bitterster Realität eingeholt. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, kam es im Rahmen der Aktion “Unter Ausschluss der Öffentlichkeit” zu einem Eklat. „Bressmer und Fischer schlagen Paparazzi“ heißt es. Die beiden Ausrichter der Veranstaltung beteuern, „zwar etwas direkt geworden“ aber nicht „völlig ausgerastet“ zu sein, wie bereits verschiedentlich als Gerücht gestreut wurde. Die beiden versichern: „Natürlich ist uns nach der wochenlangen Penetranz dieser Person der Kragen geplatzt, wir sind kein Futter für die Medien“ so Bressmer und Fischer. „Wir haben diesem Fotografen, der zu dem Abend nicht zugelassen war, lediglich seine Grenzen aufgezeigt“ wie in einem Beitrag bei stohl.de aufgedeckt wird. „Wir handelten auch im Sinne anderer Geschädigter“. Bressmer und Fischer stehen derzeit zu weiteren Statements nicht zur Verfügung.

youtube: Bressmer und Fischer schlagen Paparazzi

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365 Tage II . 2006 - 2007

Von Januar 2006, bis Januar 2007 fotografierte ich täglich die immer gleiche Perspektive aus meinem Küchenfenster, mein Bett, so wie ich es morgens verlassen hatte, mein tägliches Abendessen, sowie die Schlagzeile einer Tageszeitung.
Abendessen die ich nicht an meinem Küchentisch eingenommen habe, blieben unberücksichtigt. Würde ich heute gefragt, was ich an dem einen oder anderen Tag unternommen, geredet oder gedacht habe, so könnte ich dies nicht beantworten.

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Malen Sie auch? / 2063 einfache Fragen zur Kunst . 2006

Malen Sie auch? 2063 Fragen zur Kunst. Viele wurden verworfen, korrigiert, gewendet, wurden immer wieder aufgegriffen, geprüft ob sie Bestand haben, ob sie als Frage längerfristig bestehen können. Es war mir fast keine Arbeit, es war mir Lust, diese Fragen zu stellen, nur der ausreichende Schlaf ging mir verloren. Sie kamen und sie gingen. Sie drängten sich auf, ich hielt sie fest, im Halbschlaf, sowie Unterwegs. Ich wanderte mit ihnen, ich ließ die eine oder andere irgendwo zurück, in einer Landschaft, auf einem Weg. Die meisten Fragen habe ich mitgenommen, niedergeschrieben und somit festgehalten. In ihrer Reihenfolge jedoch immer wieder verschoben, erstellte ich Skizzen, habe sie neuen Kontexten, Bereichen, Abschnitten und Themenblöcken zugeordnet. Einige waren mir Anregung genug, Bilder daraus zu machen, einige flossen in Objekte ein, zumindest als Titel.

“Malen Sie auch?” Diese Frage war mir Anlass, all diese anderen Fragen zu stellen. Malen Sie in Öl oder in Acryl? Haben Sie die richtigen Farben? Passt die Farbgebung Ihrer Bilder zu Ihrer Einrichtung? Haben Sie sich richtig orientiert? Wie ver- halten Sie sich vor einer weißen Leinwand? Benötigen Sie eine Anleitung? Ist Ihnen der Begriff KUNST geläufig? Wann wurde Ihnen die “Kunst” erklärt? Schlagen Sie in Marmor? Wie lange standen Sie in der Reihe vor "la gioconda," genannt “Mona Lisa?” War die Kunst zwischen 1933 und 1945 von vornherein ohne Chance? Benötigen wir einen “Kunstführer?”
 
Als Resultat blieben 2063 Fragen übrig. 46 Seiten DIN A4, word, Schriftgröße 11, Arial. Aus diesen könnte, irgendwann ein Buch, ein Theater- oder Hörstück, eine Ausstellung entstehen.

Ich danke Margarete Reich, die mir diese Fragen in 2014 mindestens sechsmal in Folge korrigierte und redigierte. Für sie wurden aus den 2063 Fragen somit 12216 Fragen. Wie viele neue Fragen sich für sie ergaben, das kann ich nur erahnen. Vielleicht ergaben sich aber auch ein paar Antworten.

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Vier Wanderungen . 30 Minuten hin - 30 Minuten zurück . Quadrat . Linie . “Hexensattel” . 2003 - 2006

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Filmstil aus “30 Minuten hin - 30 Minuten zurück”

Diese vier Wanderungen stehen exemplarisch für ca. 700 bis 800 kürzere, längere oder auch sehr lange Wanderungen, die ich in den vergangenen vierzig Jahren unternommen habe und die hoffentlich weiterhin machen kann. Wanderungen die ich gemeinsam mit anderen Menschen gegangen bin, die meisten davon allein. Irgendwann begann ich, oftmals vom üblichen, vorgegebenen Wegschema abzuweichen und machte Wanderungen, die allen möglichen Formen unterlagen: Kreise, Quadrate, Dreiecke und Stadtlinien. Wanderungen, deren Strecken ich den Karten oder Stadtplänen entnahm und bestimmte, die die natürlichen Begebenheiten ignorierten, die mich auch nicht selten “querfeldein” in die “Irre” führten und mich zwangen “Neue Wege” zu suchen. Ich unternahm Wanderungen, die einem zeitlichen Limit unterlagen, unterbrochene und fortgesetzte Wanderungen, Wanderungen über Ländergrenzen hinweg, Wanderungen bei denen das Wetter absolut gegen mich war oder Wanderungen die einen bestimmten Inhalt oder Abschluß zum Ziel hatten.

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Wanderung Eins: (30 Minuten hin - 30 Minuten zurück) entspricht der maximalen Zeitdauer, von der ich annahm, dass ein Durchschnittswanderer oder Spaziergänger gewillt ist, eine “Sehenswürdigkeit” zu Fuß aufzusuchen. Ich wählte jedoch be- bewusst einen völlig unspektakulären Weg, wo nach exakt 30 Minuten Hinweg, keinerlei visuelle Ereignisse zu erwarten waren. Ich hinterließ am Umkehrpunkt eine Postkarte vom “Schloss Neuschwanstein.” Auf dem 30 Minuten dauernden Rückweg hatte ich genügend Zeit, mir eine “Sehenswürdigkeit” vorzustellen. Das ist besser als ein Original zu besuchen.

Bei Wanderung Zwei: (Quadrat) schritt ich einige geometrische Muster in Form von fast quadratisch angelegten asphal-tierten Feldwegen wiederholend ab. (Wirtschaftswege) Im Grunde bewegte ich mich währenddessen fast nicht von “der Stelle” kam sozusagen “kaum voran” und drehte mich, obwohl ich Quadrate beschritt, “absolut im Kreise.” Das Land- schaftsmuster und die damit verbundene scheinbar verflossene Zeit, hatten sich mir eingeprägt. Dieses Bild manifestierte sich in meiner Erinnerung und wurde somit zu einem persönlichen “Landschaftsbild.” “Vertane Zeit” war es nicht, im Gegenteil, ich verstand es als absolutes Glück “Zeit zu haben” und mir für diese Unternehmung genügend “Zeit zu nehmen.”

Wanderung Drei: (Linie oder Durchmessen einer Landschaft): Ich erlaubte mir ebenfalls keine individuelle Wegfindung. Entlang einer künstlich erzeugten absoluten Geraden, schritt ich unbeachtet der Begehbarkeit meines Weges, eine größere Strecke unter einer Hochspannungsleitung ab. Lange gab es keine Richtungsänderung, irgendwann machte die Strecke einen 30 Grad Knick Richtung Nordwest, den ich als solchen jedoch kaum wahrnahm. Die Biegung entsprach derer von langgezogenen Autobahnenkurven. Die Leitungen brummten in allen Tönen, der “Strom” floss schnell und war beständig körperlich spürbar.

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Wanderung Vier . (“Hexensattel”): Ich suchte einen Ort auf, der aufgrund seiner Namensgebung wohl schon seit Jahr-hunderten von Menschen bevölkert und damit voll von Relikten, Erinnerungen und Begebenheiten ist. Wie kam es zu der Namensgebung dieses Ortes, zu dieser Überlieferung? Ein Name, der sogar in den aktuellen Karten zu finden ist, den ich mir bewusst ausgesucht hatte. Was für Ereignisse fanden an dieser Stelle statt? Gab es Tote, gab es Rituale? Was taten die “Hexen“? Gab es Gefahr? Was ist passiert? Ich wanderte nicht, ich stand still an dieser Stelle, relativ lange und versuchte mir vorzustellen, was hier seit Jahrhunderten “getrieben” wurde. Sind unter der Stelle an der ich stand, im Boden unter mir, Tote zu finden? Wie weit unten liegen diese begraben, wie viele Schichten Zeit liegen darüber?
Der Weißjura der Alb ließe jedoch kein Platz für ein Grab, die Humusschicht ist hier zu gering, wenige zehn Zentimeter nur. Die Toten mussten also fortgeschafft worden sein. Oder wurden hier Feste gefeiert, von längst vergangenen Generationen, in Masken verkleidet, große Feuer angefacht, den Jahreszeiten, den Neugeborenen gehuldigt und den Ernten gedankt?
Autos fuhren vor, ich wurde komisch angeschaut, wie ich dort wie angewurzelt stand und versuchte mir die vergangenen Jahrhunderte vorzustellen. Handys, Taschen und Düfte liefen vorbei. Nun gibt es an diesem Ort einen großen, für Autos und Bürger geteerten Parkplatz. Wegweiser und Tafeln aus Kunststoff, die ermahnen, die verbieten die Natur zu verletzen und die gleichzeitig auffordern, die Natur zu besuchen und zu genießen, die gemahnen alles hier “Ernst zu nehmen.” Es gibt Abfalleimer hier, der meiste Müll aber lag weit verbreitet neben den Kübeln. Plastikmüll der nie “verreckt” und die Gräber Jahrtausende überdauern wird. Ein Kiosk wird vielleicht kommen, ein neuer Pächter, der Parkplatz wird wahrscheinlich vergrößert, oder die Stelle als “Naturschutzgebiet” ausgewiesen werden, wahlweise, je nach Initiative oder politischer “Natur” des aktuellsten Kandidaten. Nur noch der Begriff “Hexensattel” schien mir zu bleiben, er ist allgemein wenig bekannt. Ich stand dort, betrachtete die Pflanzen, die an diesem Ort noch wuchsen und ökologisch als “heimisch” galten. Ich fragte mich, wie es zu den Begriffen “Tausendgüldenkraut, “Hagebutte” und “Blutwurz” kam. Es begann zu nieseln und zu dämmern. Ich entschloss mich, meine Wanderung weg von diesem Ort nun zu beginnen. Hinter mir schwang in sanftem Rauschen, in einiger Entfernung ein Scheibenwischer auf, um letzte “Grauschleier” auf einer Windschutzscheibe vor dem Start zu entfernen. Der Motor war kaum hörbar, verbraucht aber pro Minute dennoch einen guten Liter Sauerstoff. LED-Scheinwerfer einer C-Klasse wurden dank Sensoren automatisch aktiviert, das einen Regenwurm auf der Straße vor mir, in das allerhellste Licht, in lupenreine und in nichts mehr zu verbergende Ausleuchtung versetzte. Ich sah beim Vorbeigehen, jede Pore seines Lebens, seinen Puls, seine Bewegungen, seine Adern. Er war zu langsam, zu träge, hatte sich der Entwicklung evolutionär nicht schnell genug anpassen können und wurde wohl von der auf Hochglanz polierten Auto-Klasse überfahren. Er war nicht “groß genug”. An Flucht war nicht mehr zu denken. Ich lief eine Straße hinunter, in ein Tal. Eine erste “Herbstzeitlose” zeigte sich am Wegesrand. Der Abend regnete dicht, als ich in einem Wirtshaus ankam. Ich bestellte einen Schnaps auf die “Hexen” und erhob mein Glas auf sie. Der Stammtisch wusste von nichts, erinnerte sich an nichts, war berauscht und sprach nur von der Liga und den Champions League Ergebnissen.

Wanderung 10

Vor ca. zehn Jahren begann ich auf diesen Wanderungen Jägerstände zu fotografieren, mittlerweile ist diese Serie auf über eintausendvierhundert Fotografien angewachsen. Ich verstand die Jägerstände immer als “Skultpur im öffentlichen Raum”, als Objekt in der Landschaft. Sie waren mir oft Anlass, unsere deutsche und europäische Geschichte und Kultur zu bedenken. Im Jahr 2005 entstand daraufhin ein Hörstück mit dem Titel “Jägerstand”, das 2013 um einige Passagen erweitert und neu gesprochen wurde.

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Jägerstand - CD - Vorder

365 Tage I . 2004

Über 365 Tage habe ich den “Schmutz” unter meinen Fingernägeln gesammelt und konserviert. Ein Jahr meines Lebens. Ich betrachte diese Rückstände jedoch nicht als Schmutz, sondern vielmehr als Überbleibsel, als Resultat und Ergebnis, als “Überreste” der verbrachten Tage. Es sind Berührungen, Unterhaltungen, es sind Menschen, Begegnungen, die Natur, es ist die eigene tägliche Arbeit und sicher auch meine DNA darin enthalten. Es ist mir Erinnerung und Tagebuch eines Jahres, in dem ich lebendig war und dem Leben beiwohnen konnte. Und ich sehe es als Abschnitt, als Teilaspekt der uns zur Verfügung stehenden Zeit, unserer Arbeits- und Lebenszeit. Diesen Resten habe ich die tägliche “Schlagzeile” einer Tageszeitung gegenüber gestellt. Schnell vergängliche Inhalte.

365 Tage 01

Bildbewachung . Konzept und Realisation mit Norbert Fischer . 2002

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Zwei bezahlte Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes haben die Aufgabe, ein Bild von 200 x 140 cm Größe acht Stunden lang zu bewachen. Vor dem “Bild” steht in gebührendem Abstand eine Absperrung, bestehend aus den allzu bekannten Messingsäulen mit roter Samtkordel, versinnbildlicht sie doch wie der rote Teppich größtmögliche Achtung und Neugier. Das Szenario zeigt sich staatstragend. Zwei Lorbeerbäume und Marmor wären obligatorisch. Die Szenerie spielt sich im öffentlichen Raum ab, könnte aber auch in einem geschützten Raum, in einem Museum stattfinden.

Das Bildmotiv besteht aus Blattgold, dieses soll in seiner Aussage den Wert oder auch scheinbaren Wert von Kunst charakterisieren, treibt doch die Preispolitik innerhalb des “Betriebssystems Kunst” oftmals die seltsamsten Resultate. Der “Mythos Gold“ dargestellt als sichtbare käufliche Ware, in Form dieser monumentalen, für Zuschauer, greifbar nahen Fläche,die unter Umständen durch Sonneneinstrahlung intensiv zum Leuchten gebracht werden kann, erregt die Gemüter wohl auch noch in gegenwärtiger Zeit, immer noch nachhaltig. Aktien und andere Geldwerte scheinen das Gold von seiner Wirkung noch nicht erlöst zu haben. Kunstwerte hingegen schon. Dieses scheinbar wertvolle Bild wird mit großem Aufwand bewacht.

Durch die Interaktion von Gold, Kunst und Bewachung soll ein künstlicher Wert erschaffen werden, der nicht existiert. Ihre mögliche Lust das Bild zu berühren, wird strengstens untersagt und durch die Präsenz des Wachpersonals verhindert. Viel-
leicht werden Sie durch das Verbot aber auch geradezu angeregt, bzw. gereizt, das “Objekt der Begierde” unbedingt be- rühren rühren zu wollen. Dadurch, dass das bekannte Schema des Betrachtens und Bewachens, dadurch, dass diese Ge- wohnheit vom geschützten Museums- in den nun auch geschützten Außenraum transportiert wird, können Sie die Kunst natürlich als besonders wertlos, oder auch als besonders wertvoll erachten.

Ein Versuch über die Wertvorstellungen des Kunstmarktes und des Publikums.

Wir bedanken uns bei der Firma WSD / Göppingen für ihre Unterstüzung.

Mehr Informationen zu: “Bildbewachung”

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Fotografie: Giacinto Carlucci

Lassen Sie sich nicht täuschen! . Konzept und Realisation mit Norbert Fischer . 2002

“Trauen Sie Ihren Augen” etwa nicht? Wurde Ihnen etwas Falsches gesagt? Oder haben Sie das nicht Richtige, also Falsches wahrgenommen? Hatten Sie sich etwas anderes vorgestellt? Hatten Sie eine eigene Vorstellung? Wurden Sie schon auf eine “falsche Fährte” gelockt? Wurden Sie von Bildern schon einmal belogen? Sind alle Bilder authentisch? Ein Versuch über unsere Vorstellungen, Illusionen, über unsere Wahrheiten, Bilder, Klischees und Medienwirklichkeiten.

Dem Aufruf “Lassen Sie sich nicht täuschen!” folgten dann doch mehr “Neugierige” und “Schaulustige” als wir dachten.

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OOYL (Organisation of your life) . 2002

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Für die Ausstellung “Projekt Arbeit” konzipierte ich die fiktive Organisation OOYL (Organisation of your life). OOYL kann als Partei, als ein Unternehmen, als eine politische Gruppierung, als ein religiöses Geschäft verstanden werden. Die Inhalte von OOYL sind spekulativ, populär und jederzeit austauschbar. OOYL ist Slogan pur!

Die zunächst nur für den Innenraum konzipierten 30 Plakate, verließen während der Ausstellung die geschützten Räum-lichkeiten um sich im Straßenwahlkampf der Bundestagswahl 2002 den Inhalten der etablierten Parteien zu stellen. Etwaige Reaktionen der Öffentlichkeit wurden bewusst einkalkuliert und billigend in Kauf genommen. Einige Plakate wurden regelrecht “gekreuzigt” und damit weitgehenst zerstört.

Mehr Informationen zu: “Organisation of your life”

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Wurstsalat . Konzept und Realisation mit Norbert Fischer . 2002 - 2003

Raus aus den Museen, rein in die Kneipen, “Kunst ist gut - Alltag ist besser.” Diese Veranstaltung hatte absolut nichts mit Kunst zu tun! Alle an uns gerichteten Erwartungshaltungen, bezüglich möglicher kultureller Ereignisse, wurden kategorisch ausgeschlossen. Von Mai 2002 bis Mai 2003 trafen wir uns jeden zweiten Samstag in einer für diese Veranstaltung sehr gut geeigneten Gastwirtschaft. “Wurstsalat” wurde von vielen “Interessierten” gut besucht, die Hauptthematiken dieser Abende führten natürlich meistens immer wieder zurück zur KUNST.

Wir danken allen autorisierten Personen, die uns bei persönlicher Verhinderung bestens vertreten haben.

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Eine Arbeitsstunde . Film . ca. 64 min . 2002

Ich wollte produzieren, ohne etwas herzustellen. Das Produkt löst sich während des Arbeitsprozesses kontinuierlich auf, es wurde keinerlei Wertschöpfung erzielt. Die Tätigkeit wird reduziert auf einen sich endlos wiederholenden Vorgang, wird zur nichts erzeugenden Zeitverschwendung. Die Maximalausnutzung der Arbeitskraft war obligatorisch. 
Davon ausgehend, dass ein ordentlicher europäischer Arbeitnehmer in seinem Leben 85000 Arbeitsstunden leistet, wollte ich eine fiktive Arbeitsstunde imitieren, die exemplarisch für eine bestimmte Arbeitsform steht und die allen, auf wenige Handgriffe reduzierten, Erwerbsarbeiten zugrunde liegt. Das Ziel war, den üblichen Akkordbedingungen entsprechend, die mir selbst auferlegten Leistungsvorgaben zu erfüllen. Die Arbeitsstunde war also ohne Unterbrechung zu vollziehen.

Innerhalb einer Minute sind ca. 30 Handlungsabläufe zu verzeichnen, in sechzig Minuten sind ca. 1800 Bewegungen durchzuführen Bei einem durchschnittlich achtstündigen Arbeitsstag wären dies 14400 Handlungen, die mit erhöhter Konzentration, Übung, Motivation, unter Androhung von Zwangsmaßnahmen, Strafe, oder mit “Kontinuierlich verbesserten Prozessen” (KVP), in Absicht einer permanenten Effizienzsteigerung, somit zu einer potentiellen Gewinnmaximierung führen könnten. Körperlich war es äußerst strapaziös, wurde zur Tortur.

In manchen Momenten dachte ich an Aufgabe, immer im Bewusstsein, dass solche Disziplinlosigkeiten in der Realität zu einer einseitigen Kündigung des Arbeitsverhältnisses hätten führen können.

Ich vollzog die Arbeitsstunde am 09.08.2002. Machen Sie nach!

Mehr Informationen zu: “Eine Arbeitsstunde”

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Der Situation gefasst entgegentreten . Konzept und Realisation mit Norbert Fischer . 2001

Ein Bild weg von der Wand, zu den Menschen bringen. Einen urbanen Raum zum Ausstellungsraum machen.
Norbert Fischer trug mein Bild, versehen mit Tragegriff, Adresse des “Besitzers” und der Aufschrift, “Der Situation gefasst entgegentreten”, wie einen Koffer, einen Tag lang durch Berlin. Die Geschehnisse um diese sich “bewegende” Ausstellung wurden mit der Kamera begleitet. Als das Bild für kurze Zeit, scheinbar unbeobachtet auf einer Parkbank stand, näherte sich eine unbekannte Person, deren Absicht schnell durchschaubar war. Nach umfangreich getätigten Absicherungs-maßnahmen hat sich die unbekannte Person, von Parkbank zu Parkbank flüchtend, mit ihrer Beute vom Alexanderplatz gestohlen. Natürlich haben wir das Bild, obwohl mit Adresse versehen, niemals wieder gesehen. Lange hatten wir die Hoffnung, dass ein “Ehrlicher Finder” das Bild “gefunden” hätte. Den tatsächlichen Wert des Bildes kennt die unbekannte Person wohl bis heute nicht.

Film . Darsteller: Norbert Fischer und unbekannte Person . Kamera: Andreas Bressmer . Schnitt: Kai Hofmann

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Ihr Interesse ist mein Kapital! . 2000

Ein Bild und ein Kuchen wurden mittels einer Postkarte, diese versehen mit dem provokanten Satz: “Ihr Interesse ist mein Kapital!” zum Kauf angeboten. Die Kunst für den Beitrag von 2800.- DM, der Kuchen für 28.- DM. Für das Bild fand sich kein Interessent, der Kuchen jedoch wurde ca. fünfundzwanzig mal (signiert) verkauft, von mir persönlich immer frisch gebacken, ausgeliefert und wurde nicht nur von Kunstfreunden gelobt. Das Backwerk, nicht sein Kunstwerk, ernährt also den Künstler.

Das Rezept des “Gugelhupfs mit Schattenmorellen”, sowie die Malanleitung des Matterhorns in Öl ist beim Hersteller kostenlos erhältlich.

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Öl und Acryl auf Leinwand . 100 x 80 cm . 2000

Kunst auf Kunst in Öl, signiert . (Eine Übermalung) . 2000

L’art pour l’art / Die Kunst für die Kunst / Die Kunst um der Kunst willen / Ars gratis artis

Kunst über Kunst, nein, ich wollte Kunst auf Kunst. Ich bat einen “Hobbykünstler” mir für ein Honorar sein Matterhorn auf mein Matterhorn zu malen. Kunst auf Kunst. Es wurden einige Gesprächsabende, die meinen Wunsch zum Inhalt einer langen Debatte hatten. Wenn ich mich als Künstler sehe, meinen Übermaler hingegen als Hobbykünstler, habe ich Kunst mit Hobbykunst übermalen lassen. Wenn ich mich selbst als Hobbykünstler bezeichne, der ich ja durchaus auch bin, meinen Hobbykünstler jedoch als Künstler wahrnehme, so habe ich Hobbykunst mit echter Kunst übermalen lassen. Wenn ich meinen Hobbykünstler und mich selbst als Hobbykünstler sehe, so hätten wir ein Hobbykunstwerk geschaffen. Wenn ich uns beide als echte Künstler verstehe, so haben wir es nun mit einem echten Kunstwerk zu tun. Und genau das ist es, ein echtes Kunstwerk in Öl auf Leinwand und dieses natürlich signiert. Mein Dank gilt dem Künstler Reinhard Beinhoff.

Kunst auf Kunst 02
Kunst auf Kunst 01

Öl und Acryl auf Leinwand . jeweils 100 × 80 cm . 2000

Wir zeigten uns unsere Bilder . Mit Sylvia Mehlbeer . 1999

Am 28.02.1999, zeigten wir auf der Gemarkung 10/1-Haier uns unsere Bilder. Die Ausstellungsdauer betrug ca. 2 Stunden. Einladungen wurden keine versendet, Publikum war demnach keines zugegen. Dies wurde willentlich in Kauf genommen. Vereinzelte Spaziergänger schauten fragend herüber. Bellende Hunde in der Ferne. Wenig Wolken, lediglich Kondens-streifen trübten den Himmel. Kühl, klar, ein sonniger Tag, ein Sonntag, die Landschaft versehen mit letzten Schneeresten.

Wir zeigten unsere Bilder

Fotografie: Siegfried Hopf

Machen Sie es wie Hugo B. . 1998

Aktion 001 - Hugo B. - Postkarte

Entgegen der Firma Hugo B., die sich mit Hilfe der Medien relativ schnell einen Namen als Kunstsponsor machen will, wollte ich für den geringen Betrag von 50.- DM, dem “allgemein” Kunstinteressierten die Möglichkeit bieten, sich ebenso als Kunstsponsor zu etablieren. Mit dem Vorsatz: Dieses Bild wurde ermöglicht durch: ...” konnte der Sponsor mit seinem gutem Namen, nicht wie üblich auf einer Messingtafel neben dem Bild, sondern vielmehr, direkt auf einem Bild erscheinen. Ca. zwanzig Personen nahmen diese Möglichkeit war. Dies geschah zum Teil in der Absicht der namentlichen Wirkung, teils im Bewußtsein der Inhalte der Aktion. Das Ergebnis sind einige Bilder, auf denen die Sponsoren teils sehr selbstbewußt allein, oder auch innerhalb einer Gruppe auftraten. Das Bild wird somit zum Namensträger der Sponsoren. Das Bildmotiv spielte eine untergeordnete Rolle.

Als weitere Konsequenz ergibt sich folgende Situation: Sind Geschäftsunternehmen bereit, sich mit ihren Logos mittels Sponsoring, direkt auf einem Bild zu platzieren und sich damit einen Werbeplatz ersten Ranges in einem Museum, oder gar in der Kunstgeschichte zu sichern? Sind Künstler bereit, in Zusammenarbeit mit einem Museum, das unter finanzieller Belastung steht, eine solche Kooperation einzugehen? Ein Leonardo mit IBM-Logo? Das “Jüngste Gericht” in der Sixtina, versehen mit dem Satz: This picture is sponsered by the cath. church? Die Kunstgeschichte unterbrochen durch Werbe- videos, Botschaften, Statements, subtilen Unterwanderungen und Einschaltquoten? Kann der Gipfel des “Mount Everest” gekauft und benutzt werden und dort oben ein für den Gewinn eines Konzerns relevantes Logo platziert werden? Eine Flagge mit dem “Apple”, “Microsoft”, “Amazon” oder “facebook” Logo weht über Nepal und Tibet? Kann ein Bienenstock als Werbebotschafter für intelligente Intralogistik entfremdet werden? Wo beginnt die Abhängigkeit und wo endet die kommerzielle Nutzbarkeit von Kultur und Natur?

Aktion 001 - Hugo B. - Artikel 29.08.1998
Aktion 001 - Hugo B. - Matterhorn 001 Aktion 001 - Hugo B. - Matterhorn 002
Aktion 001 - Hugo B. - Matterhorn 003
Aktion 001 - Hugo B. - Matterhorn 004

Öl und Acryl auf Leinwand . jeweils 100 × 80 cm . 1999

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